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Nachhaltiger Gewässerschutz: Kostbare Ressourcen erhalten

In vielen Regionen der Welt wird das Wasser knapp. Eine Ursache ist die zunehmende Urbanisierung, etwa in Metropolen und Megacities. Mit Schulungen soll den Akteuren der Wasserwirtschaft die notwendige Sensibilität vermittelt werden – auch über Grenzen hinweg.

(Quelle: iStock / naumoid)

Wasser ist die Grundlage allen Lebens. Die Versorgung mit Trinkwasser ist daher ein elementares Menschenrecht. Umso schlimmer, dass weltweit rund 2,2 Milliarden Menschen keinen geregelten Zugang zu sauberem Wasser haben. Denn ohne eine gesicherte Versorgung können sich Krankheiten rasant ausbreiten. Speziell in den ärmeren und ländlichen Regionen in Afrika und Asien ist verschmutztes Wasser aus Flüssen ein Risiko. Das Coronavirus hat uns allen verdeutlicht, wie wichtig Hygiene für die Gesundheit ist – sauberes Wasser ist die Voraussetzung dafür.

In Mitteleuropa ist die Versorgung mit sauberem Wasser derzeit (noch) kein Problem. Deutschland zählt weltweit zu den Marktführern der Wassertechnologie, entsprechend gefragt ist das Know-how der Sachverständigen. Grundlage ist das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), das seit 1957 das Ziel verfolgt, die Gewässer als Bestandteil des Naturhaushalts, Lebensgrundlage der Menschen, Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie als nutzbares Gut zu schützen. Deshalb sollte man auch hierzulande mit der Ressource Wasser nicht allzu sorglos umgehen.

 

Sensibilität für Gewässerschutz entwickeln

Für bestimmte Gewerke und Tätigkeiten fordert das WHG deshalb eine Zertifizierung als Fachbetrieb. Die Betreiber von Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Flüssigkeiten dürfen zudem nur Unternehmen mit den Facharbeiten beauftragen, wenn ein entsprechender Nachweis vorliegt. Eine zentrale Voraussetzung der Zertifizierung ist, dass der Betrieb entsprechend sachkundiges Personal beschäftigt, das die Einhaltung der im WHG genannten Anforderungen gewährleistet. Der erste Schritt auf dem Weg zum begehrten Nachweis ist daher eine Schulung der Mitarbeiter.

Die theoretischen Grundlagen vermittelt dabei ein WHG-Grundkurs. Darin lernen die Teilnehmer die Schutzziele und die daraus resultierenden anlagenspezifischen Voraussetzungen kennen. Weitere Themen sind die Betreiberpflichten oder die Anforderungen an WHG-Fachbetriebe. Darauf aufbauende Seminare vertiefen fachspezifische Inhalte je nach Branche oder Tätigkeit und sind für das Zertifikat erforderlich. Die erworbenen Kenntnisse werden am Ende der jeweiligen Kurse mit einem Multiple-Choice-Test abgefragt.

 

Nachweis per Online-Seminar

Ein chinesisches Unternehmen, das derzeit eine Zertifizierung als Fachbetrieb nach dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) anstrebt, ist der Spezialmaschinenhersteller Hinsong Spray Machinery & Electric Equipment aus Peking. Das Unternehmen benötigt den Nachweis, um in Deutschland Anlagen gemäß WHG errichten zu können. In Deutschland agiert Hinsong Spray Machinery & Electric Equipment als Zulieferer der AE Industry GmbH, die für Autobauer kompletter Lackierstraßen herstellt.

Für das Frühjahr 2020 waren die für die Zertifizierung notwendigen Seminare in China geplant – doch die COVID-19-Pandemie machte jede Reise unmöglich. Eine Herausforderung für das Project Management Office von TÜV Hessen, das für die Schulung der Teilnehmer zuständig war.

„Wir mussten sehr kurzfristig reagieren“, erinnert sich Radoslaw Bonczyk, stellvertretender Abteilungsleiter Anlagensicherheit von TÜV Hessen. „Aufgrund der dynamischen Entwicklung der Pandemie, haben wir nach Alternativen gesucht und glücklicherweise gefunden“. Die Lösung war ein Online-Seminar mit einer ausgewählten Software. Die Auswahl des passenden Tools wurde dabei zur Herausforderung, denn nicht jede westliche Standard-Software funktioniert auch in China, viele Lösungen werden von der chinesischen Firewall geblockt.

 

Online-Seminar wird zum Erfolg

Eine weitere Herausforderung war die sprachliche Barriere. „Die Teilnehmer haben sich nur vereinzelt über ihr Mikrofon gemeldet“, berichtet Radoslaw Bonczyk. „Rückfragen kamen primär im Chat, deshalb habe ich die Schulung mit kurzen Umfragen aufgepeppt.“ Die Antworten waren zugleich eine gute Orientierung für den Seminarleiter. „So konnte ich direkt feststellen, wie die Schulung bei den Teilnehmern ankommt und ob sie alles verstanden haben“, bilanziert Radoslaw Bonczyk.

In den vier Seminar-Tagen tauchten die angehenden Sachkundigen in die Details des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) ein: von den Zielen des WHG über die Aufgaben der Wasserschutzbeauftragten und die Anforderungen an die Ausrüstung bis zu den behördlichen Inspektionen. Auch chemie-rechtliche Fragen wurden behandelt, ebenso das richtige Lagern, Abfüllen und Umschlagen von wassergefährdenden Stoffen.

Bei den abschließenden Multiple-Choice-Tests am fünften Tag kontrollierte Jialiang Wang vor Ort in China, dass bei den Prüfungen alles mit rechten Dingen zuging. Die Ergebnisse sorgten dafür, dass die Online-Seminare für Hinsong zum vollen Erfolg wurden. Alle Teilnehmer bestanden den abschließenden Test mit befriedigenden bis sehr guten Resultaten. Anschließend absolvierte Hinsong Spray Machinery & Electric Equipment eine anschließende Betriebsprüfung mit TÜV SÜD China und erhielt das angestrebte Zertifikat als Fachbetrieb nach Wasserhaushaltsgesetz (WHG).

Schulungen für Sachkundige nach Wasserhaushaltsgesetz (WHG)

Zusammen mit der TÜV SÜD Akademie bietet TÜV Hessen sowohl die Grundausbildung als auch Weiterbildungen für Sachkundige nach Wasserhaushaltsgesetz (WHG) an.

Gewässer- und Bodenschutz

Um Wasser und Boden vor Verunreinigungen zu schützen, gibt es spezielle gesetzliche Anforderungen an Anlagen, was Gefahrstoffe angeht. 

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