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Infektionsschutz COVID-19: Qualitätssiegel zeigt den Unterschied

Ein Virus verändert die Welt. Die Folgen sind überall spürbar, der Alltag ist anders als vorher. Ungewissheit prägt die neue Realität.

An COVID-19 zu erkranken, ist ein allgegenwärtiges Risiko. Zum Schutz von Menschenleben vor dem gefährlichen Virus wurden zahlreiche Regeln aufgestellt – mit weltweiten Auswirkungen. Manche Wirtschaftszweige waren im Frühjahr 2020 sogar gezwungen, ihre Betriebstätigkeit komplett einzustellen. Nach dem Schock der strengen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen standen unzählige Unternehmen vor der Aufgabe, den Neustart sicher zu gestalten: für Partner, Mitarbeiter und Kunden. Es gilt, Vertrauen für die eigenen Angebote zu schaffen – auch unter erschwerten Bedingungen. Denn der Umgang mit dem Virus will gelernt sein.

Zu diesem Zeitpunkt ist Sonja Sieger, Lead-Auditorin und Hygienefachkraft bei TÜV Hessen, die Dimension dieser Herausforderung längst bewusst. Für die erfahrene Auditorin steht fest: Ob Büro, Krankenhaus, Restaurant oder Supermarkt – der Weg zurück ins soziale Leben wird von einem erhöhten Gesundheitsrisiko begleitet. Deshalb hatte sie bereits während des Lockdowns begonnen, ein Prüfverfahren zu entwickeln. „Ich habe mich relativ früh gefragt, wie Menschen erkennen können, dass sie in ihrer jeweiligen Umgebung relativ gut geschützt sind“, beschreibt Sonja Sieger ihre Motivation.

 

Arbeit in einer Sackgasse

Bis zum Herbstanfang war es in Deutschland gelungen, die Ausbreitung des Coronavirus auszubremsen. Dafür verantwortlich war die „AHA-Formel“: Abstand, Hygiene, Alltagsmasken. Die überwiegende Mehrheit hielt sich an die allgemeinen Regeln und förderte damit den Infektionsschutz. Das gute Sommerwetter half ebenfalls, Infektionszahlen auf relativ niedrigem Niveau zu halten, denn im Freien breitet sich das Virus langsamer aus. Doch bereits zu dieser Zeit galten in vielen Branchen zusätzliche Anforderungen an die Hygiene – speziell bei der Arbeit in geschlossenen Räumen. 

Wie sehr das Coronavirus den Alltag auf den Kopf stellt, zeigt sich schon auf dem Weg zur Arbeit. Wo vorher Arbeitnehmer täglich ins Büro fuhren, pendeln Menschen mittlerweile eher zwischen Quarantäne und Homeoffice. Auch Dienstreisen erleben einen deutlichen Rückgang. Wie enorm die Auswirkungen bei Transport und Logistik sind, spürt speziell die Luftfahrtbranche. Allein die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa musste vom Staat mit neun Milliarden Euro unterstützt werden. Von den Auswirkungen der Coronakrise war auch die Fraport AG betroffen. „Wir mussten wirksame Hygienevorkehrungen treffen, denn normalerweise nutzen bis zu 240.000 Passagiere täglich Deutschlands größten Flughafen“, erklärt Sascha König, Vice President Infrastructure Terminals am Flughafen Frankfurt.

In vielen Branchen soll ein spezielles Hygienekonzept dafür sorgen, Kunden bei ihrem Besuch nicht unnötig zu gefährden. Es gibt jedoch Berufsgruppen, die wegen höchst sensibler Aufgaben vor einer immensen Herausforderung stehen. Im Rettungsdienst erhält schnelles Handeln das Leben von Patienten, vor allem wenn ein Rettungshubschrauber zum Einsatz kommt. „Bei der notfallmedizinischen Versorgung aus der Luft muss jeder Handgriff sitzen, um keine Zeit zu verlieren“, sagt Frédéric Bruder, Geschäftsführer der gemeinnützigen ADAC Luftrettung. Doch auch beim Transport von Patienten von Klinik zu Klinik müssen die fliegenden Gelben Engel zahlreiche Sicherheitsanforderungen berücksichtigen. Mit dem Coronavirus steigt der ohnehin schon hohe Anspruch an die Hygiene bei der medizinischen Versorgung.

Zur Eindämmung des Coronavirus veröffentlichte die Bundesregierung am 16. April 2020 einen neuen Arbeitsschutzstandard. Die Regeln des neuen SARS-CoV2-Arbeitsschutzstandards sind heute noch bindend. Demnach sollen Unternehmen ihre Gefährdungsbeurteilungen anpassen. Zusätzlich mussten Unternehmen auf Basis der entsprechenden Pandemieplanung ein Hygienekonzept erstellen. Unangemeldete behördliche Kon­trollen stellen sicher, dass die Konzepte wie geplant und genehmigt umgesetzt werden. Für das Gesundheitswesen gelten gesonderte Vorgaben.

Doch wie sehen Kunden, Patienten, Besucher, Mitarbeiter oder Lieferanten auf einen Blick, ob die jeweiligen Hygienekonzepte und ihre Realisierung den Vorgaben entsprechen? Sonja Sieger kennt die Antwort: „Wenn eine neutrale Stelle mit ihrem Know-how die Umsetzung prüft, entstehen Transparenz und der Nachweis.“ So können Betriebe darlegen, dass sie den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der regionalen Gesundheitsämter gerecht werden. Auch ein Siegel schützt nicht vor Infektionen, aber das Prüfsiegel und die Konformitätsbescheinigung von TÜV Hessen bringen Transparenz zur anforderungsgerechten Umsetzung der Schutz- und Hygienestandards.

 

Herausforderung für die Logistik

Bei der Fraport AG profitierte Sascha König bei der Entwicklung und Umsetzung des Hygienekonzepts von existierenden Plänen der internationalen Zivilluftfahrtbehörde. Mit Vogelgrippe, SARS oder Schweinepest gab es Erfahrungswerte im Umgang mit bisher unbekannten Viren. Das Ausmaß der COVID-19-Pandemie erreichte dennoch eine neue Dimension. Für einen angemessenen Infektionsschutz waren individuelle Maßanfertigungen gefragt. 

„Wir benötigten innerhalb von zehn Tagen 1.200 Spuckschutz-Scheiben, die an unsere unterschiedlichen Thekenarten angepasst werden mussten“, berichtet König. Gleichzeitig musste das verwendete Material Brandschutzvorgaben erfüllen. Ebenso groß war die Aufgabe, auf Abstand zu achten. Allein im Terminal 1 wurden dafür 15.000 Sitzplätze für wartende Flughafengäste gesperrt. Weil der Abbau wegen der Sitzblöcke nicht möglich war und Aufkleber nicht ausreichten, ließ Fraport einen Spanngurt entwickeln, der die notwendige Stabilität gewährleistet. Eine Herausforderung waren auch die eigens angefertigten Desinfektionsspender auf Basis von Zehn-Liter-Kanistern. Die notwendigen Rohstoffe erhielt Fraport direkt bei industriellen Herstellern. Industrieapotheker stellten dann die Mischungen zusammen, damit am Flughafen Frankfurt genügend Desinfektionsmittel vorhanden war.

Der Umgang mit dem Virus ist komplex und kritisch zugleich. Entsprechend umfangreich sind die Anforderungen beim Umgang mit infizierten Patienten. Von Mitte März bis Ende Juni rückte die gemeinnützige ADAC Luftrettung zu rund 450 Corona-Einsätzen aus. Für diese sensiblen Einsätze entwickelte ein Corona-Krisenteam ein eigenes Sicherheitskonzept, das die ohnehin hohen Ansprüche an die Hygiene weiter verfeinerte.

Bereits zu Beginn der Pandemie wurde kräftig in die Ausrüstung investiert. „Unsere Ausgaben für Schutzanzüge, Masken, Brillen oder Desinfektionsmittel sind von etwa 20.000 Euro pro Jahr auf aktuell rund 1,2 Millionen Euro angestiegen“, sagt Andreas Rippe, der im Fachbereich Medizin für Personal- und Patientensicherheit zuständig ist. Neben der zusätzlicher Schutzkleidung für die Crews erhielten rund 1.300 Menschen, die bundesweit für die ADAC Luftrettung arbeiten, gleich zu Beginn der Pandemie konkrete Anweisungen zur Umsetzung der Schutz- und Hygienemaßnahmen. Zur Information nutzte die ADAC Luftrettung ein digitales Corona-Forum mit zahlreiche Formate von einfachen Dokumenten über Piktogramme bis zu Videoanleitungen.

 

Kleinigkeiten sind ausschlaggebend

Zur optimalen Vorbereitung auf COVID-19-Einsätze wurde darüber hinaus ein entsprechender Transport nachgestellt und gefilmt. Das Schulungsvideo erhielten anschließend alle 37 Luftrettungsstationen. Damit Corona-Patienten im Notfall auch von einem Polizeihubschrauber transportiert werden können, unterstützte die ADAC Luftrettung auch die Hubschrauberstaffeln von Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz mit einer Hygieneschulung. Sowohl für Fraport als auch für die ADAC Luftrettung stellte sich die Frage, wie sie ihr Engagement nachweisen können. Die Lösung: Eine neutrale Organisation sollte die realisierten Hygienekonzepte überprüfen, Schwachstellen aufdecken und Verbesserungspotenziale ermitteln.

Für Sonja Sieger entstanden damit völlig neue Prüfsituationen. Denn die Hygienefachkraft kann die Umsetzung von Konzepten erst dann zweifelsfrei bescheinigen, wenn sie gesehen hat, dass die Schutzkonzepte auch in der Praxis umgesetzt werden. Für das Prüfteam hieß es deshalb: Ausrücken. An elf der 37 Stationen der ADAC Luftrettung wurde bewertet, wie gut die Crews die aktuellen Pandemie-Anforderungen des Robert-Koch-Instituts und weitere branchenspezifische Aufgaben anwendet. Das galt speziell für den Einsatz unter Vollschutz: mit Overall, Handschuhen, FFP2-Maske und Schutzbrille.

Auf den Luftrettungsstationen nahmen die Prüfer das Hygienemanagement unter die Lupe. Dazu zählten die Reinigung und Desinfektion von Flächen, der Umgang mit raumluft- und klimatechnischen Anlagen oder die hygienische Aufbereitung der Dienstkleidung. Für Sonja Sieger ging es bei der Prüfung hoch hinaus. „Nach einer Sicherheitseinweisung durfte ich beobachten, wie die Hubschrauber-Crew die Schutzmaßnahmen im echten Einsatzgeschehen routiniert anwendet. Das waren spannende Stunden und Eindrücke“, berichtet die Hygienefachkraft.

Die Überprüfung des Hygienekonzepts bei Fraport nahm für das Prüfteam von TÜV Hessen große Ausmaße an. Das Flughafengelände umfasst immerhin rund 2.160 Hektar. Entsprechend aufwendig waren die Prüfungen – und dauerten mehrere Tage. Die grundsätzlichen Voraussetzungen wurden bereits im Vorfeld gesichtet. Bereits hier war der Prüfumfang angesichts der Dokumente beachtlich. In der Vorprüfung galt es, Schutz- und Hygienekonzepte zu bewerten, inklusive deren Überwachung in Bezug auf erforderliche Anpassungen. Auch die Infrastruktur und das Risiko einzelner Prozesse wurden berücksichtigt und bewertet. Vor Ort ging es während der Prüfung um die Einhaltung zutreffender Regelungen des Infektionsschutzes, Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts sowie branchenspezifische Anforderungen: die Guidelines der Europäischen Agentur für Flugsicherheit.

Aus der Perspektive eines Passagiers wurde anschließend der komplette Reiseverlauf auf dem riesigen Flughafengelände untersucht. „Während der Prüfung haben wir einige Kilometer zurückgelegt“, schmunzelt Sonja Sieger. Dabei achtete die Hygienefachkraft auf jedes Detail, etwa die Umsetzung von mikrobiologischen Untersuchungen zu in der Raumlufttechnik eingesetzten Filtern. Im Terminal beobachtete und befragte das Prüfteam zusätzlich Beschäftigte, die für die Umsetzung der Hygienevorgaben zuständig sind. Die Kompetenz des Flughafenpersonals spielt bei den verschiedenen Aufgaben eine zentrale Rolle. „Es gibt viele Kleinigkeiten, die für den Verlauf einer Pandemie entscheidend sind“, erklärt Sonja Sieger. „Ein Desinfektionsmittel hilft wenig, wenn es bei der Anwendung nur noch eine geringe Wirksamkeit hat. Nach Anbruch verkürzt sich die Haltbarkeit der meisten Produkte. Also prüfen wir auch, ob die Produkte bei Anbruch mit Datum gekennzeichnet werden.“

Auf dem Flughafengelände überzeugte vor allem die gute Information. Fraport nutzt positive Botschaften, um Reisende an die AHA-Regeln zu erinnern. Die hellgrüne Farbe der vielen Hinweisschilder fällt auf und erzeugt Bewusstsein für die aktuelle Situation. Lediglich bei den Schnittstellen zu externen Dienstleistern besteht Verbesserungsbedarf. „Aufgrund mangelnder Durchgriffsrechte liegen diese Mängel jedoch außerhalb des Verantwortungsbereichs von Fraport“, bilanziert Sonja Sieger.

In der Luftrettung konnte die ruhige und nwendung sämtlicher Schutz- und Hygienevorgaben beeindrucken. Während des Transports eines COVID-19-Patienten hatte die Crew die Situation zu jeder Zeit unter Kontrolle. Weil die bewährten Infektionsschutzstandards bereits seit Jahren angewendet werden, verfügen die Mitarbeiter über Routine bei Infektionstransporten.

Für Fraport und die ADAC Luftrettung ist der Nachweis eine Bestätigung ihres Engagements. Das Prüfsiegel von TÜV Hessen zeigt, dass die jeweiligen Hygienekonzepte funktionieren können. Doch AHA-Regeln, Hygienekon­zepte oder eine Prüfung können die Pandemie nicht beenden. Letztlich entscheidet die Eigenverantwortung jedes einzelnen Menschen über den weiteren Verlauf der Coronakrise.

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