„Jeden Tag ein bisschen sicherer“

Bei TÜV Hessen endet eine Ära. Nach neun Jahren an der Spitze der Prüfgesellschaft verabschiedet sich Erwin Blumenauer als kaufmännischer Geschäftsführer. Im Interview zieht Blumenauer Bilanz und verrät, in welcher Funktion er TÜV Hessen erhalten bleibt.

(Quelle: Matthias Voigt)

Herr Blumenauer, Sie gehen nach 30 Jahren von Bord. Wenn Sie heute mal einen Schulterblick riskieren: Wie hat Sie die Arbeit bei TÜV Hessen geprägt?

Erwin Blumenauer: Wenn man so lange bei einem Unternehmen ist, wird man zwangsläufig geprägt. Bei mir ging es relativ schnell, denn ich konnte mich sehr gut mit den Werten und mit den Zielen von TÜV Hessen identifizieren. Es gibt den Slogan „Jeden Tag ein bisschen besser“ – und wir machen die Welt jeden Tag ein bisschen sicherer. Dafür leisten wir täglich unseren Beitrag. Mit der Zeit wurde meine Identifikation immer stärker, insbesondere weil ich bis zur Geschäftsführung aufgestiegen bin. Daraus entstand eine Bindung, im positiven Sinne. Denn ich konnte die Werte für dieses Unternehmen im Alltag natürlich mitgestalten.

Hat Sie ein Wechsel zu einem anderen Unternehmen nie gereizt?

Erwin Blumenauer: Es gab keinen konkreten Anlass. Meine Karriere bei TÜV Hessen habe ich als Leiter für Finanz- und Rechnungswesen begonnen und bin relativ schnell in den Veränderungssog der TÜV-Welt gekommen. Diese Entwicklung konnte ich bereits mitgestalten. Sowohl bei TÜV Hessen als auch im Konzern. Damals gab es viele Veränderungen mit hoch spannenden Aufgaben. Auch danach gab es immer eine Perspektive. Deshalb habe ich mich in 30 Jahren nirgendwo beworben. Ich konnte neben meiner kaufmännischen Verantwortung in Hessen an der Neuordnung des Konzerns mitarbeiten. Anschließend war ich Prokurist und als Kaufmännischer Leiter zunächst für IT und Finanz- und Rechnungswesen zuständig. Später wurden es die gesamten Supportbereiche. 2011 wurde ich schließlich Geschäftsführer.

Wer die Chance hat, ein Unternehmen zu prägen, hinterlässt Spuren. Welche Entwicklungen konnten Sie begleiten und gestalten?

Erwin Blumenauer: Es gibt einige Spuren, auch auf Konzernebene. Etwa die Umstrukturierung von einem großen Überwachungsverein in operative Gesellschaften. Ich habe mit dem ehemaligen Finanzvorstand die Umwandlung der TÜV SÜD Bayern Holding GmbH in die TÜV SÜD AG gestaltet und dabei den finanztechnischen Teil betreut. Ein weiterer Meilenstein ist unsere neue Zentrale in Darmstadt. Wir standen vor der Frage, ob wir das alte Gebäude sanieren, uns fremd einmieten oder etwas Neues aufbauen. Mit der Gründung des TÜV Hessen Trust e.V. und mit allen Themen, die damit verbunden sind, konnten wir diese Investition realisieren.

Wie hat sich denn die Arbeit bei TÜV Hessen in den vergangenen 30 Jahren verändert? Welche Herausforderungen für Sicherheit wurden erfolgreich gemeistert, welche Herausforderungen stehen vielleicht noch bevor?

Erwin Blumenauer: Gerade in der digitalisierten Welt müssen wir Sicherheit neu definieren. Wir brauchen Antworten für Fragen der Cybersecurity oder der Datensicherheit. In diesem Bereich fällt es uns noch schwer, Dienstleistungen zu etablieren, die man zunächst nicht mit einem TÜV in Verbindung bringt. Unsere analogen Prüfungen – vom Druckbehälter bis zur Steuerung – verschmelzen gerade mit der digitalisierten Welt. Hier ist die große Aufgabe, Normen und Prüfrichtlinien mitzugestalten, damit wir nicht nur die analoge Welt überprüfen, sondern uns fragen: Wie ist eigentlich der Zugriff auf eine Anlage geregelt? Wer kann sich wie und wo einloggen? Und was ist mit den ganzen IoT Devices, die heute alle miteinander vernetzt sind? Das ist ein riesiges, spannendes Feld und wir stehen erst am Anfang.

Wie flexibel muss TÜV Hessen sein, um mit den digitalen Entwicklungen Schritt halten zu können?

Erwin Blumenauer: Es ist die Frage, wo man sich einordnet. Es war in der Geschichte der technischen Überwachung immer so, dass es Technologiesprünge gab und der TÜV flexibel reagieren musste. Wir müssen nahe am Wind der technologischen Entwicklung bleiben, um mögliche Risiken zu erkennen und zu bewerten. Das ist und bleibt unser Geschäftsmodell. Wobei diese Rolle im digitalen Umfeld eine große Herausforderung ist, denn Entwicklungszyklen ändern sich immer schneller.

Diese Entwicklungen werden Sie in Zukunft in einer neuen Rolle verfolgen. Was sind Ihre zukünftigen Aufgaben?

Erwin Blumenauer: Um komplett aufzuhören, bin ich noch zu jung. Nach 30 Jahren TÜV und 32 Jahren doppelter Haushaltsführung - Ich wohne ja in Nordhessen - war es an der Zeit einen Gang zurückzuschalten. Ich nenne es immer so: Ich möchte die Fahne abgeben, damit ein Nachfolger vorangeht. Es gibt noch Aufgaben, die neben dem operativen Business wichtig und wesentlich für unser Unternehmen sind. Etwa die Absicherung unserer Altersversorgungszusagen. In den vergangenen Jahren habe ich hierzu federführend den TÜV Hessen Trust e.V. aufgebaut, um damit die Ausfinanzierung der Altersversorgungslasten voranzutreiben. Diese Aufgabe ist noch nicht zu Ende. Wir sind allerdings auf einem sehr guten Weg. Unsere Investitionen in Immobilien, etwa ein Neubau auf dem Gelände unserer alten Zentrale in Darmstadt oder die Entwicklung unseres Standorts Frankfurt-Römerhof tragen dazu bei. Daher bleibe ich auch weiterhin Vorstandsvorsitzender des TÜV Hessen Trust e.V. und Geschäftsführer der Trust Tochtergesellschaften, um diese Aufgaben weiter zu begleiten. Als Teilzeit-Geschäftsführer sozusagen.

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