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Psychische Belastung in der Pandemie: Arbeit in der Krise

Die Digitalisierung ist für Mitarbeiter Fluch und Segen zugleich. Zwar vereinfachen unzählige technische Hilfsmittel die Arbeit. Doch gleichzeitig werden ständige Erreichbarkeit, Termin- und Leistungsdruck zu einem Risikofaktor für die Psyche. Die COVID-19-Pandemie sorgt dafür, dass sich die Belastung verändert.

(Quelle: iStock / krblokhin)

Der Corona-Alltag ist für viele Menschen mit hoher psychischer Belastung verbunden. Viele Arbeitnehmer pendeln nicht mehr zwischen dem Büro und den eigenen vier Wänden, sondern zwischen Lockdown und Lockerung. Hinzu kommt die permanente Gefahr der Ansteckung, die Angst vor einer Erkrankung mit dem Coronavirus. Von der üblichen Belastung am Arbeitsplatz ganz zu schweigen.

Diese Unsicherheit kann mit psychischen Stressreaktionen einhergehen und physische, kognitive und emotionale Symptome sowie verändertes Verhalten hervorrufen. Dazu zählen beispielsweise Kopfschmerzen, Gedankenkarussell, Aggression, Angst, Verschlossenheit oder sozialer Rückzug. Arbeitspsychologin Christine Geyer weiß, wie eine Krise die Ursachen der Belastung verstärkt: „In der Krise werden wir sensibler. Sie wirkt wie ein Gefühlsverstärker, als schüttete man Öl ins Feuer. Ängste und Zweifel haben Hochkonjunktur.“ 

Für unzählige Mitarbeiter ist psychische Belastung daher ein wesentlicher Faktor ihrer Arbeitsfähigkeit – und genauso relevant wie die körperliche Fitness. Der aktuelle DAK Gesundheitsreport  zeigt deutlich, dass psychische Erkrankungen nach wie vor hohe Relevanz besitzen. Im Untersuchungsjahr 2019 lagen sie mit 17,1 Prozent an zweiter Stelle der Ausfallursachen. Bei den Arbeitsunfähigkeitstagen gab es sogar einen Zuwachs im Vergleich mit dem Vorjahr. 

Die Krankenstandsanalyse 2020 der DAK bestätigt diese Entwicklung. Für die Untersuchung wurden die Daten von mehr als 2,4 Millionen erwerbstätig Versicherten ausgewertet. Das Ergebnis brachte einen neuen Rekordwert. Mit 264 Fehltagen waren psychische Erkrankungen auch im vergangenen Jahr der zweithäufigste Grund einer Krankschreibung.

 

Vorteil für digitale Arbeit

Bisher zählte die Digitalisierung der Arbeit zu den Hauptursachen der psychischen Belastung am Arbeitsplatz. Weil im Zuge der Corona-Pandemie viele vorausschauende Unternehmen ihre Mitarbeiter zum Schutz vor Ansteckung ins Homeoffice schickten, richtete die DAK für den aktuellen Gesundheitsreport den Fokus auf den Stress in der modernen Arbeitswelt. Die Ergebnisse waren überraschend. Digitale Arbeit wurde nicht mehr als Belastung empfunden. Der Ausbruch der COVID-19-Pandemie hat dafür gesorgt, dass mittlerweile jeder zweite Befragte die zunehmende Digitalisierung der eigenen Aufgaben als Entlastung aufnahm. 

In den ersten Monaten der Pandemie stieg die Zahl der Mitarbeiter, die digitale Prozesse als Entlastung wahrnahmen um 37%. Gleichzeitig verringerte sich das tägliche Stresserleben um 29%. Für den DAK Gesundheitsreport 2020 analysierte die Krankenkasse Aussagen von mehr als 7.000 Berufstätigen aus zwei repräsentativen Befragungen vor und während der Pandemie. Speziell Eltern mit Kindern unter 12 Jahren gaben an, dass sie Arbeit und Familie wesentlich einfacher vereinbaren können. Der Vorteil der besseren Work-Life-Balance ist nicht von der Hand zu weisen. 

 

Gefahr der psychischen Belastung bleibt bestehen

Doch das Restrisiko ist nach wie vor vorhanden. Denn Arbeiten im Homeoffice kann die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben auflösen. Für Arbeitnehmer besteht die Gefahr, dass sie nicht mehr richtig abschalten und entspannen. Vor allem jüngeren Mitarbeitern fällt es schwer, ihre beruflichen Aufgaben klar abzugrenzen. Laut DAK Gesundheitsreport schafft dies nur jeder zweite Mitarbeiter unter 30 Jahren.

Eine weitere Herausforderung des Homeoffice ist der fehlende Kontakt zu Kolleg*innen und Vorgesetzten. Im DAK-Gesundheitsreport gaben drei Viertel der Befragten an, dass ihnen die direkte Abstimmungsmöglichkeit fehlt. Jeder Zweite bemängelte zudem, dass die Möglichkeit kurzfristiger und unbürokratischer Absprachen fehlt. 

Der fehlende zwischenmenschliche Kontakt wird auch im Randstad Arbeitsbarometer des 2. Halbjahrs 2020  thematisiert. Die Befragung ergab, dass rund ein Drittel aller Beschäftigten sich in der gegenwärtigen Situation nicht ausreichend emotional und mental von ihren Arbeitgebern unterstützt fühlt. Mit den verschiedenen Arbeitsorten im Homeoffice schreitet die Individualisierung vieler Berufe weiter voran – und bringt neue Herausforderungen mit sich. 

Weil der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten immer mehr in den Vordergrund rückt, ist ein agiler Führungsstil gefragt, kommentiert die Randstad Holding ihre Befragung. Um den digitalen Wandel zu meistern, benötigt es allerdings mehr als passendes Equipment und Know-how. 

Christine Geyer kennt weitere Wege, um die psychische Belastung aufzufangen: „Vieles hängt davon ab, wie wir die Ereignisse der Krise interpretieren. Es ist hilfreich, unsere persönlichen Antreiber, Ängste und Zweifel genau anzuschauen.“ Die Berücksichtigung der psychischen Belastung bleibt ein wesentlicher Faktor gesunder Mitarbeiter, denn die Entwicklung zur ortsunabhängigen Arbeit wird in vielen Branchen erhalten bleiben. Der DAK Gesundheitsreport bestätigt den Trend zum Homeoffice. Denn auch nach der Pandemie möchten drei von vier Beschäftigten zumindest teilweise von zu Hause aus arbeiten. 

 


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