Richtig Lüften: Geprüfte Konzepte gegen Corona

Frische Luft ist ein wesentlicher Bestandteil des Infektionsschutzes. Die richtige Lüftungsstrategie reduziert die Ansteckungsgefahr in Büros oder Klassenzimmern – und moderne Luftreinigungsgeräte sollen Viren aus Innenräumen herausfiltern. Doch wie zuverlässig erfüllen die Geräte ihre Aufgabe?

(Quelle: iStock / Thomas_EyeDesign)

Im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie prägt im Winter 2020/21 ein Lockdown das Leben der Menschen in Deutschland. Die weit reichenden Einschränkungen haben die Infektionszahlen deutlich gesenkt. Die Folgen für die Wirtschaft sind jedoch enorm. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)  führt der aktuelle Lockdown pro Woche zu Verlusten von 0,4 Prozent der in einem Quartal erbrachten Wirtschaftsleistung. Vor allem der Außenhandel ist von der Pandemie stark beeinträchtigt. Der Export sank 2020 um 9,9 Prozent, der Import verzeichnete ein Minus von 8,6 Prozent.

Mit den sinkenden Infektionszahlen steigt der Druck, die Einschränkungen des Lockdowns sukzessive zu lockern. Damit die Werte bei geöffneten Geschäften oder Schulen niedrig bleiben, sind funktionierende Schutzkonzepte notwendig. Frank Nemeth, Senior Project Manager  bei TÜV Hessen, ist sich der großen Verantwortung bewusst, mit der die Konzepte erstellt werden müssen: „Um die Anforderungen an den Infektionsschutz zu erfüllen, sind nicht nur technische Lösungen gefragt. Ob ein Schutzkonzept wirksam ist, entscheiden vor allem organisatorische Voraussetzungen.“

 

Verantwortungsvoller Neustart

Das Infektionsschutzgesetz bietet die gesetzliche Grundlage für Abstandsgebote, Maskenpflicht oder Ausgangsbeschränkungen. Für die konkrete Umsetzung sind die Bundesländer zuständig, sie beschließen Kontaktbeschränkungen oder die Schließung von Schulen, Geschäften oder Restaurants. Daher kann jedes Bundesland auch individuelle Regelungen treffen, unter welchen Voraussetzungen die einzelnen Einrichtungen wieder öffnen dürfen. 

Aufgrund der weiterhin sehr hohen Infektionszahlen gilt es, vor der Öffnung von Einrichtungen wie Schulen oder ganzen Branchen wie dem Friseur-Handwerk, sensible Regeln aufzustellen. Nach wie vor müssen Menschen Abstand halten, die Hygienevorgaben beachten, im Alltag eine medizinische Maske tragen und regelmäßig lüften. Was im Privatleben einfach umsetzbar ist, wird zu einer großen Herausforderung, wenn in den Geschäften und Einrichtungen viele Menschen aufeinandertreffen. Vor allem der regelmäßige Luftaustausch kann schnell zu einem Problem werden. Denn beim richtigen Lüften müssen viele Faktoren berücksichtigt werden.

 

Richtig Lüften – aber wie?

Es gibt zahlreiche Ratgeber und Handlungsempfehlungen, an denen man sich beim Lüften orientieren kann. Im Internet stellen Versicherungen und Genossenschaften sogar Rechner zur Verfügung, mit denen man die idealen Lüftungsintervalle ermitteln kann. Allerdings haben die Modelle einen entscheidenden Nachteil, bestätigt Frank Nemeth: „Alle Online-Angebote gehen von einem Standard aus, der die individuelle Beschaffenheit eines Raums nicht berücksichtigt. Deshalb sind Schutzkonzepte trügerisch, wenn sie nur technische Maßnahmen vorsehen.“ 

Zur Frischluftzufuhr bleibt regelmäßiges Lüften die beste Lösung. Ohne ausreichend saubere Außenluft ist beispielsweise ein Klassenzimmer aus innenraumhygienischer Sicht nicht für den Unterricht geeignet. Auch Therapiezentren, Altersheime, Restaurants, Kantinen, Call-Center oder Großraumbüros können ohne Frischluftzufuhr nur eingeschränkt genutzt werden – wenn überhaupt. 

 

Passendes Lüftungskonzept entwickeln

Eine wertvolle Ergänzung im Kampf gegen das Corona-Virus können Luftreiniger sein. Dafür müssen die Geräte optimal eingesetzt werden, da sie nach dem Umluftprinzip arbeiten und in realen Räumen zu jedem Zeitpunkt nur einen kleineren Teil der Raumluft reinigen. Eine ungünstige Platzierung im Raum kann daher ihre Wirksamkeit reduzieren. Es wird häufig empfohlen, dass die Geräte eine Luftwechselrate des fünf- oder mehrfachen Raumvolumens  pro Stunde benötigen, um die Partikelkonzentrationen im Raum wirksam reduzieren und so das Infektionsrisiko senken zu können. 

Damit Luftreiniger einen deutlichen Beitrag leisten können, ist daher die fachgerechte Planung und Installation eine unbedingte Voraussetzung. „Die Risikoanalyse beginnt bereits beim Hersteller“, erklärt Frank Nemeth. „Wenn bereits in der Entwicklung der Bedarf oder der Einsatzbereich bekannt sind, kann das Gerät exakt auf die Anforderungen vor Ort zugeschnitten werden.“ Die Anpassung zahlt sich aus. Die Geräte können so ihren bestmöglichen Wirkungsgrad erreichen und das Risiko einer möglichen Infektion über Aerosole signifikant senken.

 

Theoretische und praktische Prüfung 

Der Betrieb von mobilen Raumluftreinigern sollte deshalb gründlich geprüft werden – für jeden Raum individuell. Denn wie gut der Filter funktioniert, hängt stark von der Luftströmung im Raum selbst ab. Schränke, Tische, Stühle oder weitere Objekte können den Luftfluss beeinträchtigen. Frank Nemeth untersucht daher bereits in der Planungsphase die raumlufttechnische Beschaffenheit vor Ort und identifiziert potenzielle Problemfelder.

Mit einer Strömungssimulation kann gezeigt werden, wie sich die Aerosole im Raum verteilen würden. Dabei können Lüftungsfaktoren wie Fenstergröße und -lage, Möbel im Raum oder Temperatureinflüsse berücksichtigt werden. Die Simulation liefert eine erste Tendenz, ob die Angaben des Herstellers eingehalten werden und wie gut verschiedene Bereiche im Raum durchströmt werden. Auf diese Weise können auch bestehende Konzepte oder bereits installierte Lüftungsanlagen überprüft werden. So wird schnell klar, ob die Geräte zum Infektionsschutz beitragen oder ob Verbesserungsbedarf besteht.

Neben der theoretischen Simulation können in den Räumen auch die Installation und die Einstellungen der Geräte geprüft werden. „Wir können den Luftaustausch konkret mit Tracergasmessungen bestimmen“, sagt Frank Nemeth. „Zum einen können wir den Luftwechsel im Raum an verschiedenen Messpunkten gleichzeitig bestimmen, zum anderen können wir untersuchen, wie bereits infizierte Personen Aerosole im Raum verteilen.“ Das Ziel der Prüfungen vor Ort ist, die durch die Strömungssimulation ermittelten Spezifikationen auf deren Einhaltung zu überprüfen. Mit diesen Tests wird die Wirksamkeit der Geräte durch Messungen nachgewiesen und potenzielle Beeinträchtigungen der Lüftungsleistung werden aufgezeigt. 

 

Wertvolle Ergänzung

Mit den vielfältigen Analysen wird das geprüfte Lüftungsschutzkonzept zu einem wertvollen Baustein eines hygienisch kontrollierten Gebäudes, in dem das Risiko, sich darin zu infizieren, stark gesenkt wurde. Mit den Ergebnissen entsteht ein transparentes Bild, das Mitarbeitern, Kunden oder auch Schülern und Eltern ein Gefühl der Sicherheit gibt. Idealerweise in Kombination mit einem funktionierenden Hygieneschutz. Denn auch ein geprüftes Lüftungsschutzkonzept kann seine Wirkung nur entfalten, wenn die Menschen, die den Raum nutzen, die AHA-Regeln befolgen und sich passend zu den Anforderungen der vorhandenen technischen Maßnahmen verhalten. 

Geprüftes Lüftungsschutzkonzept COVID-19

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