Neuer Geschäftsführer: „Der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt“

Führungswechsel bei TÜV Hessen. Zum Jahresbeginn übernahm Thomas Walkenhorst als CFO die Aufgaben von Erwin Blumenauer. Im Gespräch verrät der 41-jährige Diplom-Kaufmann, warum er zu TÜV Hessen gekommen ist – und welche Herausforderungen er auf die technische Überwachung zukommen sieht.

Thomas Walkenhorst (Quelle: Matthias Voigt)

Wie verlief Ihr Weg zu TÜV Hessen?

Thomas Walkenhorst: Bei TÜV Hessen bin ich über einige Umwege im TÜV SÜD-Konzern gelandet. Angefangen habe ich im Bereich Mergers & Acquisitions in München. In dieser Funktion habe ich weltweit Fusionen und Übernahmen von Unternehmen oder einzelnen Bereichen begleitet. Anschließend bin ich im Januar 2015 zur TÜV SÜD Chemie Service GmbH nach Leverkusen gewechselt. Die Gesellschaft hat allerdings einen zweiten großen Standort in Frankfurt am Main, dort war ich als alleiniger Geschäftsführer und CEO tätig. Das war ein großer Vorteil, denn zu der Zeit hatte ich meinen Wohnsitz auch schon im Rhein-Main-Gebiet.

Diese Aufgaben waren spannend und reizvoll. Gleichzeitig hatte ich aber den Wunsch, in einem Geschäftsfeld tätig zu sein, dass meinem Fachwissen entspricht. Als Diplom-Kaufmann also im kaufmännischen Bereich. Als ich hörte, dass es die Möglichkeit gibt, bei TÜV Hessen Nachfolger von Erwin Blumenauer zu werden, habe ich mich beworben und wurde schließlich kaufmännischer Geschäftsführer.

 

Was sprach für einen Wechsel innerhalb des TÜV SÜD-Konzerns zu TÜV Hessen?

Thomas Walkenhorst: Natürlich lag ein Schwerpunkt auf den kaufmännischen Aufgaben. Aber es gibt noch ein zweites wichtiges Argument: der regionale Fokus. Ich bin Hesse. Ich wurde in Frankfurt-Höchst geboren und lebe mittlerweile in Bad Camberg. Hier sind meine Wurzeln, hier fühle ich mich wohl.

Der Wechsel war eine perfekte Gelegenheit. TÜV Hessen ist eine tolle und gesunde Gesellschaft mit einer deutlichen Entwicklungsperspektive. Es war der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt.

 

Was fasziniert Sie an der Arbeit in einer technischen Prüfgesellschaft?

Thomas Walkenhorst: Die Breite der Aufgaben. Vor meinem Einstieg bei TÜV SÜD war ich bei führenden Finanzinstituten in Düsseldorf, Frankfurt und London Berater im Investmentbanking. Dort habe ich Einblicke in verschiedenste Branchen erhalten, von der Herstellung von Automobilkomponenten bis zu Immobilien-Transaktionen. Als ich damals auf TÜV SÜD angesprochen wurde, fand ich es wahnsinnig spannend, dort alle Branchen wiederzufinden, die ich aus meiner vorherigen Tätigkeit kannte. Das hat mich überzeugt und fasziniert mich heute nach wie vor.

 

Welche Zukunftsthemen werden die technische Überwachung in den kommenden Jahren prägen?

Thomas Walkenhorst: Das Verschmelzen von Safety und Security. Mit der Digitalisierung entsteht gewaltiges Entwicklungspotenzial und wird unseren Prüfumfang nachhaltig verändern. Gerade im Bereich der produzierenden Industrie. Kunden werden erwarten, dass wir Ihre Anlagen in Gänze prüfen können, da zählt selbstverständlich die Cybersecurity mit dazu. Das wird zu einem wesentlichen Bestandteil unserer Leistungen werden. Der Kern unserer Aufgaben wird aber die Prüfung der „Hardware“ bleiben.

 

Betrifft die Prüfungen von Anlagen als Ganzes auch bereits die Entwicklung einzelner Komponenten beim Hersteller?

Thomas Walkenhorst: Das sehe ich beides als relevante Aufgabe. Sowohl die Herstellung der einzelnen Komponenten als auch ihr Zusammenspiel in der fertigen Anlage. Vielfach sind Komponenten verbaut, die Daten auf unterschiedlichen Wegen senden, zum Beispiel per WLAN oder Bluetooth. Zum Teil ist Betreibern gar nicht bewusst, welche Daten im Einzelnen gesendet und genutzt werden. Die Sicherheit dieser Daten ist ein eigenes und sehr wichtiges Thema.

 

Die vernetzten Anlagen sind ein wesentlicher Bestandteil der Industrie 4.0. Vor welcher Herausforderungen stehen Anlagenbetreiber, die Ihre Produktion sicher digitalisieren wollen?

Thomas Walkenhorst: Wesentlich ist hier erstmal Auswertungen der vielfältigen Daten. Anlagenbetreiber haben schon immer über eine immense Datenmenge verfügt, konnten sie bisher nur noch nicht systematisch auswerten und nutzen. Dieser Fundus kann jetzt genutzt werden.

Dazu gibt es die Möglichkeit der Echtzeitüberwachung. Das hat auch Einfluss auf Prüfungen. Das Thema kontinuierliche Überwachung der Betriebszustände von kritischen Komponenten. Im Bereich der Instandhaltung hat sich dieser Prozess bereits an vielen Orten etabliert. Predictive Maintaining beschreibt die geplante Anlagenwartung anhand von in Echtzeit verfügbaren und relevanten Daten. Für unsere Prüfungen sind ähnliche Prozesse denkbar.

 

Ein weiterer Trend ist die Künstliche Intelligenz. Wie wird sich diese Entwicklung auf die technische Überwachung auswirken?

Thomas Walkenhorst: Die Künstliche Intelligenz lässt sich vielfach nutzen. Einmal zur Auswertung der vorhandenen Datenmassen, aber sicherlich auch zur Interpretation der Informationen. Dann kommt auch die Extrapolation von zukünftigen Entwicklungen hinzu – und die Vorhersage von möglicherweise eintretenden Schäden.

Aber grundsätzlich ist bei allen Entwicklungen ganz wichtig, dass wir unsere Rolle als unabhängige dritte Instanz verstehen. Wir werden sicherlich kein großer Anbieter werden, der eine eigene KI entwickelt. Wir bleiben eine Instanz, die die Sicherheit validiert.

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