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Wegweiser durch den Industrie 4.0-Dschungel

Der „Smart Industry Readiness Index“ hilft Unternehmen, ihre digitale Transformation zum Erfolg zu führen. 

Zehn Jahre ist es her. Als zur Hannover Messe 2011 der Begriff „Industrie 4.0“ erstmals ins Bewusstsein vieler Menschen rückte, wurde dem digitalen Transformationsprozess nicht nur aufgrund seines Namens schnell das Potenzial einer vierten industriellen Revolution nachgesagt. Die große Hoffnung: Wo gestern noch analoge Produktionsabläufe dominierten, könnte morgen schon digital getriebene Höchstgeschwindigkeit das Maß aller Dinge sein. Und heute?

In wenigen Branchen ist aus der Vision tatsächlich Realität geworden. IT-Technik und menschliche Fachkompetenz werden zwar immer stärker miteinander vernetzt, zahlreiche Sensoren schaffen Transparenz auf der Ebene digitalisierter Prozesse, technische Assistenzsysteme unterstützen menschliche Handgriffe und künstliche Intelligenz trifft zunehmend Entscheidungen auf Basis eigener Erfahrungen oder Deep-Learning-Analysen. Doch für die Mehrheit der Unternehmen ist nach zehn Jahren genauso deutlich festzustellen: Die Kinderschuhe mögen der „Industrie 4.0“ zu klein geworden sein, doch erwachsen geworden ist die erhoffte Revolution noch nicht.

 

Ein komplexes Thema

Einen erheblichen Anteil daran hat die Komplexität des Themas. Selbst Führungspersönlichkeiten in der Industrie fällt es oft schwer, die technologischen Möglichkeiten in konkrete Geschäftsziele zu übersetzen und die smarte Vernetzung von maschinell betriebenen Abläufen sowie damit verbundene Investitionen in ihre Unternehmensstruktur zu integrieren. Dabei gibt es durchaus Leitplanken, die Orientierung bieten und Verfahren, die eindeutig dokumentieren, welche Schritte auf dem Weg der Interaktion zwischen dem Menschen einerseits und der künstlichen Intelligenz andererseits bereits gegangen wurden respektive noch fehlen.

Einen wichtigen Beitrag leistet hier der sogenannte „Smart Industry Readiness Index“ (SIRI). Entwickelt wurde der Standard in einer Kooperation von TÜV SÜD, dem „Singapore Economic Development Board“ und weiteren Partnern vor vier Jahren. Er gibt dank standardisiertem Ansatz Aufschluss darüber, wo Unternehmen unabhängig von ihrer Größe auf dem Weg der zukunftssicheren Digitalisierung stehen. Wer das dazu passende „Official SIRI Assessment“ (OSA) durchläuft, sieht deutlich klarer, an welchen Stellen im eigenen Verantwortungsbereich noch Handlungsbedarf besteht und welche Schritte als nächstes zu gehen sind, um sich auch künftig effizient und wirtschaftlich stark zu entwickeln.

 

Globaler Standard wird wichtiger

Dr. Andreas Hauser ist Leiter des „Centre of Excellence Singapur“ innerhalb der Digital-Service-Einheit der TÜV SÜD-Gruppe. Er ist davon überzeugt, dass SIRI den Unterschied machen kann, wie zielorientiert sich „Industrie 4.0“ in den kommenden Jahren entwickelt. „Das Weltwirtschaftsforum hat SIRI als weltweiten Standard zur Beschleunigung der globalen Industrie 4.0-Transformation anerkannt, um die großen Ziele wie Nachhaltigkeit und Produktivitätssteigerungen, die sich letztendlich nur durch neue Technologien umsetzen lassen, zu erreichen“, betont Dr. Hauser. Wurden bisher weltweit 450 SIRI-Assessments durchgeführt, sollen es bis Ende des Jahres bereits über 1000 OSAs sein. „Ich bin zuversichtlich, dass SIRI sich in den nächsten zwei bis drei Jahren als globaler Standard etablieren wird.“

Das ist auch vor dem Hintergrund wichtig, dass Deutschland im globalen Wettbewerb seinen Standort langfristig sichern beziehungsweise stärken will. „Die Zeit spielt hier eine kritische Rolle“, sagt Dr. Andreas Hauser. „Deutschland und Europa müssen die Schlagzahl erhöhen, da China, Südkorea, aber auch die USA ebenfalls eine digital vernetzte und integrierte Produktion als entscheidenden Standortvorteil vorantreiben.“ Leider gelte für Deutschland, dass die große Mehrheit — gerade der kleinen und mittleren Unternehmen — noch am Anfang der Digitalisierung und Vernetzung stehe. „Eine Transformation bedeutet nachhaltige Veränderung. Und diese Veränderung fängt zuerst im Kopf an.“ Hauser weiß: „Läuft das aktuelle Geschäft gut, ist die Notwendigkeit einer Veränderung für viele nicht nachvollziehbar. Läuft das Geschäft allerdings schlecht, werden oft keine Möglichkeiten gesehen, Ressourcen für den digitalen Transformationsprozess zur Verfügung zu stellen.“

 

Notwendige Schritte erkennen und priorisieren

Hier bietet der „Smart Industry Readiness Index“ (SIRI) einen klaren Vorteil. „Der Vorteil von SIRI liegt in der Einfachheit“, betont Dr. Andreas Hauser. „Dabei wird der Begriff ‚Industrie 4.0‘ vollständig in 16 Dimensionen zerlegt, die einzeln mit dem Unternehmen diskutiert und bewertet werden. Für die Identifikation der Lücken und Verbesserungspotenziale werden einfache Kostenprofile herangezogen und strategisch wichtige Performance-Indikatoren definiert. Das Ganze läuft innerhalb eines zweitägigen Workshops ab, bei dem die Vertreter der wichtigsten Funktionen eines Unternehmens teilnehmen.“ Stets habe SIRI das Ziel vor Augen, einen Veränderungsprozess systematisch einzuleiten und existierende Aktivitäten im Bereich von „Industrie 4.0“-Entwicklungsschritten klar zu priorisieren. So können auch kurzfristig sichtbare Verbesserungen erzielt werden, da sich Optimierungsprozesse nicht in kleinteiligem Aktionismus ohne große Relevanz verfangen. „Sämtliche Fortschritte können nach einiger Zeit mit einer erneuten Bewertung konkret verfolgt und dokumentiert werden.“

Dabei setzt das „Smart Industry Readiness Assessment“ auf vier stabile Säulen. In der „Lern-Phase“ werden die Schlüsselkonzepte von Industrie 4.0 vorgestellt. Es folgt die „Evaluierungsphase“ in den Bereichen Technologie, Prozesse und Organisation. In der Planungsphase wird dann ein Transformationsfahrplan erstellt, um abschließend mit der Umsetzung anhand einer klar ausgearbeiteten Roadmap zu beginnen. 

Wichtig ist Dr. Andreas Hauser dabei: „SIRI ist auf jedes Unternehmen, das einen gewissen operativen Anteil hat, anwendbar — unabhängig von Größe, Typ oder Reifegrad.“ Die „Official SIRI-Assessments“ werden dabei von zertifizierten SIRI-Assessoren durchgeführt, um eine gleichbleibend hohe Qualität zu gewährleisten. „Es gibt bereits knapp 200 dieser Assessoren, die TÜV Süd als Partner des SIRI-Instituts trainiert und zertifiziert. Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten 18 Monaten diesen Kompetenzvorsprung auf 1000 Personen ausbauen können.“

 

Impulse aus Wirtschaft und Politik

Sicher ist zum aktuellen Zeitpunkt, dass es einer gemeinsamen Kraftanstrengung bedarf, um „Industrie 4.0“ in den nächsten Jahren voranzubringen. „Es muss ein Ruck aus Politik und Wirtschaft kommen, um das Thema auf breiter Ebene bei den Unternehmen auf die Agenda zu setzen. Die asiatischen Länder haben hier sicherlich den Vorteil, gegenüber neuen Technologien weniger kritisch eingestellt zu sein“, appelliert Dr. Andreas Hauser, den Wert des digital vernetzen Fortschritts zu erkennen. Denn „Industrie 4.0“ ist kein Selbstzweck. Vielmehr wird die Anforderung an Präzisionsprodukte in den kommenden Jahren wachsen. Wer hier nicht die notwendigen Rahmenbedingungen schafft, könnte schnell im Abseits stehen.

An der grundsätzlichen Entwicklung gibt es derzeit nämlich wenig Zweifel: Kaum ein Lebensbereich, der nicht in den letzten Jahren massiv digitalisiert wurde. Und das in einer Geschwindigkeit, die vor einige Zeit noch schwer vorstellbar erschien. Das birgt allerdings auch die Gefahr, dass die Schere zwischen modernen Unternehmen auf der einen Seite und jenen, die an der Arbeitsweise des vergangenen Jahrhunderts festhalten, größer wird. „Dabei sollte niemand Sorge haben, sich Hilfe von außen zu holen. Den digitalen Fortschritt intern in die richtigen Bahnen zu lenken, fällt leichter, wenn es einen externen Blick mit branchenübergreifend gültigen Standards gibt. SIRI hilft hier, Licht in die Komplexität eines Themas zu bringen, dessen Bedeutung kaum hoch genug angesetzt werden kann“, sagt Dr. Hauser. (SP)

 

Smart Industry Readiness Assessment (SIRA)

Ist Ihr Unternehmen bereit für Industrie 4.0? Mit unserem Smart Industry Readiness Assessment unterstützen wir Sie bei der digitalen Transformation Ihres Unternehmen und zeigen Ihnen, an welchen Stellen noch Optimierungspotential besteht.  

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