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„Infektionsschutz bleibt relevant“

Mit steigenden Impfquoten öffnen immer mehr Geschäfte und Betriebe in vielen verschiedenen Branchen. Doch Epidemien und Pandemien werden uns auch zukünftig beschäftigen. Im Gespräch erklärt Sonja Sieger, Hygieneexpertin von TÜV Hessen, wie sich das Bewusstsein in den vergangenen Monaten verändert hat – und warum professionelle Hygienekonzepte den Infektionsschutz erhöhen können.

Wie haben Sie die Pandemie bisher erlebt? Welche Erlebnisse sind Ihnen seit März 2020 im Gedächtnis geblieben?

Sonja Sieger: COVID-19 würde ich mit meiner Expertise als Gesundheits- und Hygienefachkraft bezogen auf Verlauf und Symptomatik als eine der schlimmsten Krankheiten unserer Zeit bewerten, besonders für schwer Erkrankte. Bereits im März 2020 lag ich mit meinen Prognosen zur weiteren Entwicklung relativ gut. Trotzdem hat mich diese Erkrankung im weiteren Verlauf schockiert, ich musste an die Pest im Mittelalter denken.

Seitdem haben mich einige Unternehmen bei Prüfungen und Begehungen in positiver Hinsicht sehr beeindruckt. Diese Betriebe wollen nicht irgendetwas machen, sondern das Richtige. In dieser Zeit habe ich auch bemerkt, dass wirksamer Infektionsschutz manchmal an kleinen Details und fehlender Fachkenntnis scheitert. Aber auch, dass es nicht nur um Konzepte, sondern auch um die verantwortungsvolle Umsetzung geht.

 

Hat sich das Bewusstsein für Infektionsschutz in Unternehmen seit Beginn der Pandemie verändert?

Sonja Sieger: Es hat auf jeden Fall ein Umdenken stattgefunden. Hygiene und Infektionsschutz sind im Bewusstsein der Menschen angekommen. Diese Entwicklung lässt sich bis in die Ministerien verfolgen. Und das ist auch gut so, denn nach COVID-19 ist vor kommenden Epidemien oder Pandemien, an diesem Punkt ist sich die Wissenschaft einig. Unzureichender Infektionsschutz wird daher auf Dauer nicht mehr funktionieren und wirksamer Schutz auch in Zukunft zu einem wichtigen Thema: ob Flughafen, Gastronomie oder Veranstaltungsbranche. Davon abgesehen: Wie wirkungsvoll viele Maßnahmen waren, bekamen wir im vergangenen Winter zu spüren: Die Grippewelle ist nahezu ausgeblieben.

 

Es gibt inzwischen zahlreiche Mittel, um sich vor Infektionen zu schützen. Aber wie erkennen Unternehmen, welche Maßnahmen für ihre individuellen Prozesse und Umgebungen wirksam funktionieren?

Sonja Sieger: Das ist eine sehr gute Frage! Aus diesem Grund beauftragen uns Unternehmen mit der Begutachtung von Prozessen, Bedingungen und der Ermittlung einer sich daraus ableitenden Infektionsgefährdung – also potenzieller Risiken. Dann wird es kreativ: Es folgt die Überlegung, welches Werkzeug und welche Strategie unter diesen Bedingungen vor Infektionen schützt. Dabei müssen oft alternative Strategien gefunden werden. Nämlich dann, wenn standardisierte Maßnahmen nicht ausreichen oder nicht umgesetzt werden können etwa ein hohes Personenaufkommen an Ein- und Ausgängen zu erwarten ist, aber die Gebäudesituation keine weiteren Zugänge möglich macht. Das zeigt, dass es in der Regel keine allgemein gültigen Lösungen gibt, was auch der Botschaft des RKI entspricht. Die Erfahrung zeigt, dass die Einbeziehung von Experten dabei für mehr unternehmerische Sicherheit und effizienteren Infektionsschutz sorgt.

 

Und wie können Menschen erkennen, dass sie an den Orten, optimal geschützt sind, an denen sie sich aufhalten?

Sonja Sieger: Die Bevölkerung hat viel über Hygiene und Infektionsschutz gelernt. Viele Menschen erkennen mittlerweile sehr schnell, ob es Konzepte gibt und Schutzmaßnahmen auch verantwortungsvoll umgesetzt werden. Wie etwa durchdachte und kreative Lösungen für Ein- und Ausgänge, damit es nicht zu eng wird. Mit unserem Qualitätssiegel zeigen Betriebe Kunden deutlich sichtbar, dass der Infektionsschutzes von unabhängigen Experten überprüft wurde. Zudem werden dabei auch mögliche Schwachstellen identifiziert und der Schutz kann weiter verbessert werden.

 

Wenn Sie in die Zukunft blicken: Wann ist die Pandemie endlich vorbei?

Sonja Sieger: Das ist eine komplexe Frage.SARS-CoV-2-Viren werden uns erhalten bleiben und sich auch weiterentwickeln. Deshalb wird Hygiene und Infektionsschutz ein Teil unseres Lebens bleiben. Das heißt aber nicht, dass sich Betriebsschließungen wiederholen müssen. Inzwischen haben wir zusätzlich zu Impfungen oder Tests einige effektive Werkzeuge im „Kasten“.

Ein erneuter Lockdown, in der uns bekannten Form, dürfte damit unwahrscheinlich sein. Erneute Schließungen sind dann zu erwarten, wenn sich Mutationen entwickeln, gegen die unsere Impfstoffe wirkungslos sind. Ich hoffe, das wird nicht passieren. Wenn wir von dieser Ausnahme mal absehen, dürfte die Epidemie von nationaler Tragweite voraussichtlich im Sommer 2022 ihr Ende finden. Das bedeutet allerdings nicht, dass es danach keine regional begrenzten Ausbrüche mehr geben wird, denn auch Geimpfte können das Virus übertragen und die Wirkung der Impfstoffe lässt mit der Zeit nach.

 

Wie verändern sich die Aufgaben in den kommenden Monaten? Welche Herausforderungen stehen Unternehmen noch bevor?

Sonja Sieger: Betriebe sind zunehmend selbst in der Pflicht, Infektionsschutz konzeptionell zu gestalten und wirksam umzusetzen. Damit verstärkt sich der Fokus auf die unternehmerische Haftung. Ganz aktuell sind Betriebe mit der 3G-und 2G-Regel konfrontiert. Auch diese neue Herausforderung muss konzeptionell ausgestaltet werden, etwa erforderliche Festlegungen, was unter 3G-Nachweisen zu verstehen ist oder die entsprechende Unterweisung der Mitarbeiter. Zudem wurde in einigen Branchen die Vorhaltung eines Hygienekonzepts zur verbindlichen Anforderung für den weiteren Betrieb. Das spüren wir bei TÜV Hessen auch. Zunehmend mehr Unternehmen betroffener Branchen beauftragen eine Konzepterstellung, beispielsweise die Veranstaltungsbranche. Zusammenfassend kann man sagen:

Infektionsschutz kann auch ohne Betriebsschließungen funktionieren. Mit ausgereiften und kreativen Konzepten, der wirksamen Umsetzung und unter Einbeziehung von Hygiene-Fachexperten.

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