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Business Coaching: „Jeder Mensch ist der Experte für sein Ziel“

Coaching-Angebote gibt es wie Sand am Meer. Doch wie findet man die richtige Unterstützung, vor allem im beruflichen Umfeld? Christina Baas, Senior Consultant von TÜV Hessen, erklärt im Gespräch, was gutes Business Coaching auszeichnet.

(Quelle: istock / DragonImages)

Wenn man im Internet recherchiert, findet man unzählige Coaching-Angebote. Was genau macht Business Coaching aus?

Christina Baas: In erster Linie unterscheiden sich die verschiedenen Coaching-Ansätze im Anliegen, mit dem die Klienten zu uns kommen und der Herangehensweise. Beim Business Coaching habe ich deshalb einen ganz anderen Fokus als beim Privatcoaching. Die Ziele, die ein Klient im Business Coaching verfolgt, haben ganz oft etwas mit dem Karriereweg oder der persönlichen Entwicklung im Beruf zu tun. Das ist der Hauptunterschied zu einem anderen Coaching. Die Ziele beziehen sich in der Regel auf einen beruflichen Kontext.

Bei jüngeren Klienten stehen wir häufig vor der Frage, wie sie sich entwickeln müssen, um eine Führungskraft zu werden. In diesen Fällen arbeiten wir gemeinsam an Stärken und Schwächen. Manche Klienten bemerken beispielsweise, dass sie in Konfliktgesprächen schnell an ihre Grenzen kommen. Hier unterstützen wir dabei, Kompetenzen zu entwickeln, um in solchen Situationen souverän agieren zu können. Andere Kunden haben beispielsweise Schwierigkeiten, negative Kritik weiterzugeben. Auch dafür erarbeiten wir im Business Coaching Strategien und Lösungen.

 

In welchen Situationen ist Business Coaching gefragt?

Christina Baas: Während eines Bewerbungsprozesses kann Business Coaching ideal unterstützen, dann ist es wichtig, dass sich ein Klient auf seine Stärken besinnt. Denn es geht bei diesen Aufgaben darum, die eigenen Ressourcen optimal zu präsentieren und zu verkaufen.

Eine weitere Einsatzmöglichkeit ist die Führungskräfteentwicklung. Hier ist es häufig ein fester Bestandteil, weil man konkret an bevorstehenden Herausforderungen arbeiten kann. Wie kann man beispielsweise als Führungskraft das Team befähigen, die eigenen Stärken realistisch einzuschätzen und gemeinsam nützliche Strategien entwickeln?  Ein großer Vorteil ist hierbei, wenn die Coaches einen psychologischen Hintergrund besitzen und bereits viele Erfahrungen in der Personalentwicklung gesammelt haben, da viele Ansätze des Coachings auf psychologischen Modellen und Theorien basieren.

 

Funktioniert Business Coaching nur individuell oder auch im Team?

Christina Baas: Wir können den Fokus auch auf die Entwicklung einer ganzen Organisation richten, zum Beispiel durch ein Team-Coaching, das über die Stärken und Schwächen der einzelnen Teammitglieder hinausgeht. Die Teams stehen eher vor der Frage, wie sie sich verzahnen und vernetzen, damit sie nach außen als geschlossene und starke Einheit auftreten können. Dafür ist es wichtig, gemeinsame Ziele herauszuarbeiten, in die jedes Teammitglied dann auch seine Stärken einbringen kann.

Wenn ein Team-Coaching über die Grenzen einer Abteilung hinausgeht, können wir zudem das Silo-Denken aufbrechen, das es in vielen Organisationen noch gibt. Dann müssen sich Teams auch untereinander vernetzen und schauen nicht nur auf ihre eigenen Anliegen. Denn das Unternehmensziel können die Teams oder Abteilungen nur gemeinsam erreichen.

 

Wann ist Business Coaching für Teams optimal?

Christina Baas: Hier stehen andere Anliegen im Fokus, etwa weil es in der Abteilung zu Problemen in der Zusammenarbeit gekommen ist oder sich die Mitarbeiter neu zusammenfinden müssen. Steht gerade ein großes Projekt an, kann ein Team-Coaching dabei unterstützen, gemeinsame Strategien zu entwickeln. Dadurch werden häufig bereits erste Konflikte vermieden. Man kann Business Coaching auch nutzen, um eine gute Streitkultur zu fördern, denn Konflikte und Streit brauchen alle Teams. Abteilungen, die gut funktionieren wollen, müssen in der Lage sein, Auseinandersetzungen zu managen, um mit guten gemeinsam entwickelten Ideen weiter arbeiten zu können. Aus der Diskussion entstehen schließlich die passenden Lösungen. Allerdings ist bei diesen Themen der Übergang zwischen Teamentwicklung und Business Coaching oft fließend.

 

Welche Methoden zeichnen Business Coaching aus? 

Christina Baas: Das kommt auf den Background des Coaches an. Weil es keinen einheitlichen Standard für Coaching gibt und der Begriff in Deutschland nicht geschützt ist, kann sich theoretisch jeder als Coach verkaufen. Natürlich ist das bei TÜV Hessen nicht der Fall! Wir sind alle Psychologen und verfolgen beim Coaching einen systemisch-lösungsorientierten Ansatz. Dahinter steht eine spezielle Haltung. Das macht uns aus. Wir gehen davon aus, dass jedes Team und jede Person die Lösung selbst entwickeln kann. Jeder Mensch, der gecoacht wird, ist der Experte für sein Ziel oder sein Problem. Wir helfen mit gezielten Methoden, diese Ziele zu erreichen oder Lösungen zu entwickeln.

Damit unterscheiden wir uns von anderen Vorgehensweisen, bei denen bestimmte Kompetenzmodelle angewendet werden. Diese Modelle wenden wir auch gelegentlich an, aber wir prüfen vorher, ob ein Modell unseren Klienten bei der Suche nach seiner Lösung unterstützen kann. Generell beginnen wir ein Business Coaching mit sehr vielen Fragen, denn wir wollen das Ziel möglichst klar formulieren. Davon hängt letztlich die Methodik ab, die wir anwenden.

Zu den wichtigsten Elementen des Business Coachings zählt eine gezielte Fragetechnik, um Perspektiven zu eröffnen oder eine Zukunftsvision zu schaffen. Manchmal hilft auch ein Blick in die Vergangenheit. So können wir feststellen, wie ein Team oder eine Person sich während der bisherigen Arbeit verhalten hat. Daraus können wir eventuell funktionierende Lösungen beispielsweise aus anderen Kontexten auf die aktuelle Situation übertragen. Diese Erfahrungen kann man durchaus nutzen, damit die Klienten selbst an ihr Ziel gelangen. Das unterscheidet ein Business Coaching übrigens fundamental von einer Beratung. Wir kommen bewusst ohne Ratschläge aus, sondern befähigen Klienten, ihre eigene Lösung zu finden.

 

Ist das ein Vorteil des systemischen Ansatzes?

Christina Baas: Ganz genau. Es gibt den Spruch: „Ratschläge sind auch Schläge“. Diese Situation kennen vielleicht auch viele Leser. Ratschläge sind schön und gut, aber vielleicht hat man diese Tipps schon selbst ausprobiert und die mögliche Lösung funktionierte einfach nicht. Dabei zweifeln Klienten oft an sich selbst oder dem Team. Hier sind Ratschläge nicht sehr hilfreich bei der Suche nach einer Antwort. Es ist immer besser, sich selbst einen passenden Weg zu erarbeiten, weil man dann auch die individuellen Stärken anwenden kann. Das erhöht die Chance, dass das Vorhaben auch wirklich funktioniert. Hinter dieser Haltung steckt unter anderem der Empowerment-Gedanke. Das macht systemisches Denken aus. Wir gehen davon aus, dass unsere Klienten alle notwendigen Ressourcen mitbringen, um ihre Ziele zu erreichen. 


Zur Person: Christina Baas (31) besitzt einen Master of Arts in Psychologie. Die erfahrene Arbeitspsychologin ist seit September 2021 für TÜV Hessen als Business Coach im Einsatz und verfügt über eine Zusatzausbildung im systemisch-lösungsorientierten Coaching.

 

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