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Fuel Switch: Umstellung des Brennstoffs sichert Energieversorgung

Erdgas galt lange als zuverlässiger, verfügbarer und preiswerter Brennstoff. Doch bei der Energieversorgung ist im Herbst 2022 Umdenken angesagt.

Im Zuge des Angriffskriegs gegen die Ukraine hat Russland die Gaslieferungen nach Europa im Sommer 2022 eingestellt. Zur Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit trat deshalb am 9. August 2022 der Gasnotfallplan der Europäischen Union in Kraft. Während des folgenden Winters sollen die Mitgliedsstaaten bis zu 15 Prozent Erdgas einsparen – je mehr, desto besser. Der Gasverbrauch soll europaweit mit verschiedenen Mitteln um 45 Milliarden Kubikmeter sinken.

In Deutschland hat das Wirtschafts- und Klimaschutzministerium ambitionierte Ziele. Insgesamt soll der Gasverbrauch um rund 10 Milliarden Kubikmeter reduziert werden. Doch die Bundesregierung will mehr als die vereinbarten 15 Prozent Erdgas einsparen. Verbindliche Ziele sollen den Energieverbrauch weiter verringern, etwa in öffentlichen Gebäuden. Hier sollen selten genutzte Bereiche unbeheizt bleiben, etwa Flure oder Eingangsbereiche. Unter anderem in Berlin werden deshalb zahlreiche öffentliche Gebäude und Sehenswürdigkeiten nachts nicht mehr angestrahlt.

Fuel Switch mildert Folgen

Der Fuel Switch ist ein zentraler Bestandteil des EU-Gas-Notfallplans. Der Begriff Fuel Switch steht dabei für einen kurzfristigen Wechsel des Brennstoffs in Kesselanlagen. In der aktuellen Lage reduziert ein Wechsel von Gas auf andere Energieträger die Folgen des russischen Lieferstopps. Weil in zahlreichen Unternehmen viele betriebliche Prozesse abhängig von Gas sind, entsteht großes Einsparpotenzial – vor allem in der Produktion.

Viele Unternehmen reagieren daher auf die steigenden Energiepreise, indem sie Alternativen zu Erdgas suchen. In den Betrieben stehen Entscheider nun vor der Qual der Wahl – und der Frage, welcher Brennstoff ein geeigneter Ersatz ist. Es gibt zahlreiche Optionen, um Erdgas zu ersetzen: von Flüssiggas (LPG) über Heizöl bis zu Wasserstoff. Auch Kohle oder Biomasse bietet sich vielerorts zur Verwendung an. Weitere Möglichkeit, um Energie zu sparen sind ein Wechsel des Brennstoffs auch bei niedertemperierter Prozesswärme oder Einsparungen bei der Raumwärme mit einer Optimierung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen oder der Warmwasserbereitstellung.

Welcher Brennstoff letztlich zum Einsatz kommt, ist ebenso von den vorhandenen Brennern und der dazugehörigen Technologie abhängig, wie von der Verfügbarkeit von Tankanlagen und Speicherkapazitäten. Auch die Entwicklung der Energiepreise am Markt spielt dabei eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Zudem wird im Zuge der Energiewende die Verbrennung von Erdgas weiter an Relevanz verlieren.

Neue Brennstoffe sicher einsetzen

Damit die Umstellung auf andere Brennstoffe rechtzeitig gelingt, haben viele Bundesländer die Genehmigungen schneller und einfacher gestaltet. An die Stelle umfangreicher Verfahren mit zahlreichen Gutachten treten schlanke Entscheidungsprozesse. Nichtsdestotrotz müssen gesetzliche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden, denn Flüssiggas oder Wasserstoff sind hoch explosiv – und Heizöl zählt zu den wassergefährdenden Stoffen.

Vorhandene Kesselanlagen brauchen bei der Umrüstung von Gas auf andere Energieträger weiterhin einen Nachweis ihrer Sicherheit. Zu den verbindlichen Prüfungen zählen beispielsweise die erlaubnispflichtigen Änderungen der Dampfkesselanlage gemäß Paragraf 18 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) oder die besonderen Anforderungen an Heizölverbraucheranlagen, die unter anderem im Paragraf 32 der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) festgehalten sind. Hinzu kommen eine verpflichtende Prüfung vor Inbetriebnahme nach einer Änderung an der Dampfkesselanlage und die begleitenden Genehmigungsverfahren bei den Behörden.

Doch auch ein komplexes Zulassungsverfahren sollte den Wechsel zu einem anderen Brennstoff nicht bremsen. Auch vor dem Hintergrund der Energiewende ist die Suche nach Alternativen für Unternehmen sinnvoll. Umso wichtiger ist eine umsichtige Analyse der vorhandenen Möglichkeiten. Neben der Frage, welcher Brennstoff am geeignetsten für die Kesselanlage ist sollte auch die Lagerung berücksichtigt werden. Denn bevor alte Anlagen mühsam umgerüstet werden, könnte auch ein neues System die ideale Option sein. In jedem Fall sollten Entscheider die notwendigen Zulassungen und Nachweise kennen und bei ihrer Entscheidung berücksichtigen. Damit der Fuel Switch effizient gelingt und die Abhängigkeit der Betriebe von Erdgas sinkt.

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