• Gesellschaft & Verantwortung

Mit Büroklammern und Reißzwecken gegen den Fachkräftemangel

Bei Grundschülern weckt TÜV Kids die Begeisterung für Technik.

(Quelle: TÜV Hessen)

Mit knapp 490.000 unbesetzten Stellen hat der Fachkräftemangel in den in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) einen neuen Höchststand erreicht. Laut einer Prognose der Bundesagentur für Arbeit wird die Zahl der fehlenden Fachkräfte weiter zunehmen – in allen Qualifikationsebenen. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, verfolgt TÜV Hessen mit der Initiative TÜV Hessen Kids das Ziel, Kinder möglichst frühzeitig für technische Berufe zu begeistern. 

Die Initiative berücksichtigt auch eigene Interessen. „TÜV Kids war von Beginn an eine Investition in unsere eigene Zukunft“, sagt Projektleiter Steffen Seehars. Eine Doppelstunde Technik-Unterricht in der Grundschule macht Kindern in ganz Hessen Themen aus dem MINT-Spektrum zugänglich. Dafür melden Lehrer ihre Klassen bei TÜV Hessen an. Anschließend kommt der TÜV Kids-Trainer mit Material und Werkzeug in den Unterricht. 

 

Anfassen, erleben, verstehen 

Das Grundprinzip: Technik muss nicht kompliziert sein. Die Kinder arbeiten vorwiegend mit Produkten, die sie aus dem Alltag kennen. „Wir stellten beim Material von Beginn an viele Weichen richtig“, sagt Manfred Weller, der pädagogische Leiter von TÜV Kids, über das Konzept. Ein Beispiel sind die Verbraucher. Bei TÜV Kids wurde von Beginn an auf LEDs gesetzt und nicht auf die damals noch üblichen Glühbirnen. 

Lehrer können sich derzeit zwischen den Themenwelten Strom und Druck entscheiden. Die ungezwungene Atmosphäre fördert den Lerneffekt. Beim Experimentieren erfahren die Schüler spielerisch, wie Widerstände und Leuchtdioden funktionieren und dass sie Luft zusammendrücken können. Am Ende des Unterrichts haben alle Kinder ihr eigenes Stromprüfgerät oder ihre eigene Hebebühne gebaut. Das Gerät können die Schüler anschließend auch mit nach Hause nehmen.

 

Fester Bestandteil des Lehrplans

Mittlerweile hat sich TÜV Kids im Schulalltag etabliert. Seit 2007 nahmen an der Technik-Initiative mehr als 230.000 Kinder teil. Allein in Hessen bauten bisher 180.000 Schüler im Unterricht ein TÜV Kids-Gerät – in etwa 90 Prozent aller Grundschulen. „In manchen Grundschulen ist TÜV Kids so gefragt, dass sich die Schulleiter jährlich anmelden“, sagt Steffen Seehars. Einige Schulen haben bereits elf oder zwölf Mal teilgenommen. 

Die Nachfrage bleibt hoch. Im aktuellen Schuljahr haben sich bereits 196 Klassen für eine TÜV Kids-Unterrichtsstunde angemeldet. „Wenn es nur um die Anfragen geht, könnten wir auch die zehnfache Menge Technikunterricht anbieten“, berichtet Steffen Seehars. 

Auch im Saarland, Bayern, Baden-Württemberg, Berlin sowie in Österreich ist TÜV Kids ein gern gesehenes Element des Lehrplans. Um TÜV Kids weiter zu fördern und mehr Kinder mit Technik in Kontakt zu bringen, setzt TÜV Hessen auf ein bewährtes Netzwerk. Neben TÜV Saarland und TÜV Austria unterstützt auch der Bastelshop Opitec die Initiative. Darüber hinaus gibt es auch eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Fernschule in Wetzlar. Sie ist weltweit tätig und hat Themen der Initiative in ihr Curriculum aufgenommen. 

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