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Girls’Day 2019: Mädchen schauen genau hin

Etwas unheimlich ist es schon: Die Lampe gibt gerade genug Licht, die Wände gleiten aber nur im Halbdunkel vorbei. Unter den Füßen das Dach und über den Mädchen nichts als der dunkle Aufzugeschacht. Keine Frage: Der Girls’Day bei TÜV Hessen gewährte den Teilnehmerinnen besondere Einblicke in die Arbeit der Prüfer.

(Quelle: Matthias Voigt)

Die 11-jährige Melinda Maiwald wird sich noch lange an den Girls’Day erinnern. „Wir haben zusammen mit den Prüfern die Aufzüge untersucht und sind sogar auf dem Dach des Aufzugs mitgefahren“, erzählt das Mädchen begeistert. „Das war sehr interessant und hat viel Spaß gemacht.“

Die Schülerinnen erlebten die komplette Abwicklung einer Aufzugsprüfung: von der Disposition bis hin zum Test. Dabei nahmen sie auch den Triebwerksraum und die Schachtgrube in einem mehrstöckigen Wohnhaus in Darmstadt unter die Lupe. Für die Teilnehmerinnen in Frankfurt ging es sogar noch höher hinaus. Sie konnten Prüfungen in Hochhäusern mit bis zu 40 Stockwerken beobachten.

 

Mädchen für Männerberufe begeistern

Mit den Aufzugsprüfungen hat der jährlich stattfindende Girls’Day das Ziel erreicht: junge Mädchen für Technik zu begeistern. Dafür lernen die Teilnehmerinnen Berufe aus Handwerk, Naturwissenschaften und IT kennen, in denen Frauen bisher eher selten vertreten sind. TÜV Hessen bot deshalb den Schülerinnen an mehreren Standorten einen umfassenden Einblick in die tägliche Arbeit. Mehr als 70 Schülerinnen erlebten, wie technische Prüfungen im Alltag verlaufen.

Steffen Seehars, CSR-Leiter von TÜV Hessen, hat den Girls’Day 2019 für die Prüfgesellschaft organisiert. Seine Bilanz fällt positiv aus: „Unser Angebot kam bei den Mädchen hervorragend an. Fast alle fanden den Tag bei uns spannend und sehr gut.“

 

Präzise Vorbereitung auf den Girls‘Day

Aber der TÜV prüft nicht nur Aufzüge. Und darum haben sich auch die Fahrzeugprüfer einiges überlegt, um die Hauptuntersuchung am Auto so anschaulich wie möglich zu gestalten. Zur Demonstration einer Hauptuntersuchung wurde an einigen Technischen Service Centern sogar auf die privaten Fahrzeuge der TÜV Hessen-Mitarbeiter zurückgegriffen. So beispielsweise in Bad Homburg, wo Prüfstellenleiter Ben Brendel den Girls’Day 2019 sorgsam vorbereitet hatte. Ohne Zeitdruck wurde so den Schülerinnen gezeigt, aus welchen Elementen eine Prüfung besteht. Dabei durften die Mädchen auch selbst auf die Suche nach Mängeln gehen und mit einem Spiegel die Federn der Stoßdämpfer checken.

In Bad Homburg war mit Fiona Debus zudem eine Prüferin vor Ort, die den Girls’Day noch aus der Teilnehmerinnenperspektive kennt. „Ich habe die Schülerinnen motiviert, Sachen auszuprobieren“, sagt Fiona Debus. „Denn gerade am Anfang wirkte die neue Umgebung etwas einschüchternd“. Das Eis war aber schnell gebrochen und die Mädchen wurden aktiver. Wie wichtig es ist, den Girls’Day in guter Erinnerung zu behalten, weiß Fiona Debus aus eigener Erfahrung. „Mir hat die Teilnahme rückblickend sehr viel gebracht“, sagt die qualifizierte Sachverständige. „Ich wurde damals in den Alltag eingebunden und durfte Dinge selbst in die Hand nehmen. Diese positiven Eindrücke wollte ich den Schülerinnen bei TÜV Hessen mit auf den Weg geben.“

 

Bleibende Erinnerungen

Außergewöhnliche Perspektiven prägten den Girls'Day von Tamara Gröber. Das Mädchen war live dabei, als eine Industrieanlage in Betrieb genommen wurde. Darüber hinaus standen beim Rundgang auf dem Werksgelände des Kraftwerks Staudinger auch wiederkehrende Prüfungen auf dem Plan. Zum Beispiel innere Besichtigungen in großen Druckbehältern, bei denen die Wandung nach Schäden abgesucht wurde oder eine Wanddickenmessung. Die Ergebnisse wurden anschließend bei TÜV Hessen besprochen und die Röntgenfilme der Schweißnähte auf Fehler geprüft.

Heiß her ging es hingegen im Werkstoffprüflabor in Frankfurt. Das Team um Leiterin Marion Baake hatte für die Schülerinnen ein besonderes Programm ausgearbeitet. Im Mittelpunkt stand ein Esslöffel, den die Teilnehmerinnen mitbrachten und im Laufe des Tages gründlich untersuchten. „So konnten wir unsere Dienstleistungen als bunten Blumenstrauß präsentieren“, erklärt Marion Baake. „Dafür war ein Alltagsgegenstand ideal“. Der Löffel wurde hierfür in seine Bestandteile zerlegt und analysiert. Eine weitere Aufgabe war, aus Metall einen Stifthalter zu schweißen. Selbstverständlich mit fachlicher Unterstützung. „Vor dem Schweißen hatten die Mädchen zunächst Respekt und haben ausgeknobelt, wer anfangen muss“, schmunzelt Marion Baake. Doch schließlich war die Neugier stärker – und die Schülerinnen konnten das Ergebnis ihrer Arbeit mit nach Hause nehmen.

 

Nach dem Girls’Day ist vor dem Girls‘Day

Am Ende des ereignisreichen Tags blickten die Schülerinnen und die Mitarbeiter von TÜV Hessen auf einen gelungenen Girls’Day 2019 zurück. Das positive Fazit aller Beteiligten unterstreicht Projektleiter Steffen Seehars: „Wir werden wachsen und wollen deshalb frühzeitig Potenziale von Kindern und Jugendlichen wecken“. Daher wird die Prüfgesellschaft auch in den kommenden Jahren beim Mädchen-Zukunftstag aktiv sein. Steffen Seehars blickt schon mal nach vorne: „Wir werden unser Angebot weiter optimieren, um noch mehr Schülerinnen anzusprechen. Für den nächsten Girls’Day am 26. März 2020 haben wir schon viele Ideen.“ Und für die Jungs werden dann erstmals einige Plätze für den zeitgleichen Boys’Day bereitgestellt.

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