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Rückenwind für E-Scooter?

Seit Mitte Juni heißt es freie Fahrt für E-Scooter auf Deutschlands Straßen – oder zumindest auf dem Radweg. Gehören die kleinen elektrischen Roller in anderen Metropolen im Ausland bereits zum täglichen Stadtbild, will man hierzulande nun auf den Trend zum elektrischen Flitzer aufspringen. Aber was rollt denn da auf uns zu: der nächste Hype oder eine mobile Alternative?

(Quelle: istock / FXQuadro)

Flink und wendig von A nach B fahren – und dabei noch flexibel und energiesparend sein? Mit E-Scootern ist das bereits heute möglich. Im Idealfall sollen die kleinen Flitzer die letzten Kilometer zum Arbeitsplatz überbrücken, ohne dass der Fahrer sich anstrengen muss. Als Alternative zum E-Bike oder dem klassischen Roller bieten E-Scooter eine bequeme Art sich flexibel fortzubewegen, vor allem in Städten.

 

Kleine Distanzen schnell überbrücken

Ein E-Scooter ist ein elektrisch angetriebener Roller. Der wohl größte Vorteil liegt nicht zuletzt an der Kompaktheit und dem geringen Gewicht. Einige Modelle lassen sich sogar problemlos zusammenfalten und somit überall mitnehmen. Verbunden mit anderen Verkehrsmitteln wie Bus oder Bahn können sie beim Pendeln eine ideale Ergänzung für die letzten Meter sein. Bis zu 25 Kilometer sollen laut Angaben einiger Hersteller mit einer Ladung zurückgelegt werden können.

Der elektrische Tretroller, ein Elektrokleinstfahrzeug, so der – zugegebenen – etwas sperrige Name laut Verordnung, dürfen seit 17. Juni am Straßenverkehr teilnehmen. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h dürfen die Flitzer allerding nur auf Radwegen gefahren werden. Sind keine Radwege vorhanden, dürfen E-Scooter auf die Straße ausweichen. Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern können eine Folge sein.

Um ein Elektrokleinstfahrzeug fahren zu dürfen, müssen die Fahrer das 14. Lebensjahr vollendet haben. Für E-Scooter, die eine Höchstgeschwindigkeit zwischen 6 km/h und 20 km/h haben, gilt eine Versicherungspflicht. Analog zu Kleinkrafträdern schließt man die Versicherung für ein Jahr ab und klebt die Versicherungsplakette an eine geeignete Stelle am Fahrzeug. Zudem müssen die elektrischen Flitzer über eine geprüfte Beleuchtung verfügen und es müssen Bremsen vorhanden sein. Hinzu kommen zwei unabhängige bremsen, die eine Mindestverzögerung von 3,5 m/s² erreichen. Eine Führerschein- oder Helmpflicht besteht allerdings nicht.

 

Unfallgefahr – Traum oder Trauma?

Doch gerade Fahranfänger sollten den E-Scooter mit Vorsicht bedienen. Im Vergleich zum Fahrrad nimmt man auf dem Roller eine sehr aufrechte, stehende Position auf einer geringen Fläche ein. Zum Festhalten hat man nur eine Haltestange mit kleinem Lenker. Richtig und sicher stehen bedarf sicherlich einiger Übung. Die Unfallgefahr sollte ebenfalls nicht unterschätzt werden, denn die Gefahr eines Zusammenstoßes mit Autos oder Radfahrern ist durchaus real. Auch können Fahrbahnunebenheiten zu Unfällen führen. Laut einer US-amerikanischen Studie des Centers for Disease Control and Prevention erleiden die Fahrer häufig Kopfverletzungen bei Verkehrsunfällen. Um das Risiko von Kopfverletzungen zu reduzieren, wäre eine Helmpflicht sinnvoll. Außerdem bieten Ellenbogenprotektoren einen zusätzlichen Schutz

 

E-Scooter – Hype oder Heilsbringer?

Die Anbieter der E-Scooter stehen auf jeden Fall schon in den Startlöchern, um mit ihrem Produkt den Stadtverkehr zu revolutionieren. Die Roller sollen nicht nur gekauft, sondern in größeren Städten auch gemietet werden können. Schließlich soll damit künftig in den Städten eine Alternative zum Auto entstehen.

Gerade die jüngere Generation in Deutschland steht den neuen Fahrzeugen sehr offen gegenüber, wie eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt. Demnach ist jeder zweite Bundesbürger davon überzeugt, dass E-Scooter einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten können. „Wir brauchen alternative Formen der Mobilität in unseren Städten. E-Scooter können eine ideale Ergänzung zu Bus und Bahn für die letzten Kilometer zum Ziel sein und damit den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver machen“, so Bitkom-Präsident Achim Berg. Mit dieser Einschätzung ist er nicht allein: 66 Prozent der Befragten sehen E-Scooter als gute Ergänzung zu bestehenden öffentlichen Nahverkehrsangeboten wie Bus, Straßenbahn oder U-Bahn.

Ob die kleinen Flitzer wirklich einen essentiellen Beitrag zur Verkehrswende leisten können, bleibt abzuwarten. Denn die „Last Mile“ wurde bisher mit dem Fahrrad oder zu Fuß gemeistert. Zwei Alternativen, die definitiv besser für die Gesundheit und die Umwelt sind. Speziell die Haltbarkeit und die Entsorgung der Batterien von E-Scootern im Verleihbetrieb gilt als kritisch. Auch deshalb sieht die Verordnung über die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr eine wissenschaftliche Begleitung der Einführung vor.

E-Scooter - Betriebserlaubnis für Elektrokleinstfahrzeuge

Am 09.06.2019 wurde die Elektrokleinstfahrzeug-Verordnung (eKFV) veröffentlicht.

Homologation (Typprüfungen und Mustergutachten)

Wenn es um die Typprüfung geht, ist TÜV Hessen als Technischer Dienst mit eigenen Laboren seit vielen Jahren kompetenter Partner der Automobilindustrie.

 

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