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Fahrprüfer vor Millionen Zuschauern

Viele Mythen ranken sich um die Führerscheinprüfung. Das Fernsehmagazin „Galileo“ hat TÜV Hessen-Mitarbeiter Mathias Erzgräber über die Schulter geschaut.

Rede und Antwort stand Mathias Erzgräber, amtlich anerkannter Sachverständiger bei TÜV Hessen, dem Filmteam von Pro7.

Als Mathias Erzgräber an einem kalten Februarmorgen mit seinem 305 PS starken Ford Focus an seiner Arbeitsstelle in Darmstadt eintrifft, erwartet ihn schon ein Filmteam. Die Medienprofis der ProSieben-Sendung „Galileo“ werden den amtlich anerkannten Sachverständigen von TÜV Hessen zwei Tage lang begleiten, um der Frage auf den Grund zu gehen: Fahrprüfer – fiese Fallensteller oder alles nur Klischee?

Warum die Wahl des Senders ausgerechnet auf Mathias Erzgräber und TÜV Hessen fiel, ist rasch beantwortet. Die Anfrage stellte ProSieben an alle TÜVe, doch die Hessen reagierten am schnellsten. „Von der Anfrage bis zur Zusage sind nur drei Tage vergangen. Zwei Wochen später wurde schon gedreht“, erinnert sich Mathias Erzgräber. Bei der Ausstrahlung des TV-Beitrags Ende Februar schauten 1,33 Millionen Menschen zu. Intern wurde der Nieder-Ramstädter, der seit August 2016 bei TÜV Hessen angestellt ist, auch deshalb ausgesucht, weil er im Umgang mit Medien bereits Erfahrungen gemacht hatte. Ehrenamtlich bei der Feuerwehr Mühltal engagiert, hatte er schon öfters nach Einsätzen O-Töne für Funk und Fernsehen abgegeben. „Aber so ein aufwendiger Dreh war auch für mich neu.“ Der grundlegende Unterschied? „Bei den O-Tönen hat man viel Zeit, um sich die Aussagen genau zu überlegen. Bei ,Galileo‘ musste ich spontan antworten. Und zwar nicht zu kurz und nicht zu lang – und am besten ohne zu viele Fachbegriffe“, sagt Erzgräber.

Zunächst war angedacht, eine Dummy-Prüfung zu simulieren. Weil das aber sehr anspruchsvoll geworden wäre, entschied man sich schließlich doch für eine „reale Prüfung“. Mithilfe von zwei Fahrschulen wurden zwei Prüflinge ausgesucht, die sich während des Drehs ans Steuer setzten. Beide hatten ebenfalls zuvor schon vor der Kamera gestanden. „Sie wussten, dass sie gefilmt werden, aber nicht wofür. Ihre Sache haben sie aber richtig gut gemacht, sie sind sehr gelassen geblieben“, erklärt Erzgräber, der im Jahr gut 600 Fahrprüfungen abnimmt.

Bei den Fahrprüfungen im Februar ist dann doch einiges anders als sonst. Erzgräber nimmt zwar wie gewohnt hinten rechts im Auto Platz. Zuvor aber lässt sich der 33-Jährige verkabeln, damit der Ton fehlerfrei aufgenommen werden kann. Außerdem ist während der Fahrt stets eine Kamera auf sein Gesicht gerichtet. Und dann bekommt der TÜV Hessen-Mitarbeiter auch noch hin und wieder vom Filmteam Kärtchen zugesteckt, deren Fragen er laut vorlesen und wahrheitsgetreu beantworten muss. Als er etwa den Prüfling anweist, rückwärts einzuparken, liest er danach die Frage vom

Kärtchen vor: „Parken Frauen schlechter ein als Männer?“ Seine Antwort: „Da muss ich ganz klar ein Veto einlegen. Während der Prüfung fällt mir oft auf, dass die Mädels ihr Gelerntes einfach anwenden. Jungs wollen die Aussage, dass Frauen schlechter einparken, verstärken und verkünsteln sich eher beim Rückwärtseinparken.“

 

Ein Rollator mitten auf der Straße

Die beiden Fahrschüler, so kann man bei „Galileo“ sehen, machen ihre Sache ordentlich. Doch bei Prüfling Christopher Hahn geschieht plötzlich das völlig Unerwartete: Mitten auf der Straße, direkt vor dem herannahenden Auto, läuft in aller Seelenruhe ein alter Mann mit seinem Rollator auf der Straße. Gelächter im Auto. „Die Geschwindigkeit bitte an das vorausfahrende Fahrzeug anpassen“, sagt Erzgräber und schmunzelt. „Nicht stressen lassen. Alles gut.“ Kurz darauf ist der Mann überholt, das Hindernis überwunden. Wie der 33-Jährige weiß, sind die häufigsten Ursachen, die praktische Prüfung nicht zu bestehen, die Missachtung des Stoppschilds, die Regel „rechts vor links“ zu ignorieren sowie das Einfahren in eine gesperrte Straße.

Als Reaktion auf den TV-Beitrag hätten bereits etliche Fahrlehrer ihren Schülern ans Herz gelegt, den 13-minütigen Film anzuschauen, sagt Erzgräber. „Damit sie realistisch einschätzen können, was bei der Prüfung auf sie zukommt.“ Denn es gebe nach wie vor viele Gerüchte und Mythen. Mit einem Klischee zumindest hat der TÜV Hessen-Mitarbeiter aufgeräumt. Dass es sich beim Fahrprüfer um einen finster dreinblickenden, fiesen Menschen handeln muss. Wie die „die „Galileo“-Zuschauer gesehen haben, darf man auch mal lachen in der Prüfung – etwa, wenn ein Rollator die Straße blockiert.


Autor: Matthias Voigt

Führerschein

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