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Prüfung von Flughafentechnik: Der Mann mit dem Tunnelblick

Reinhard Zorn von TÜV Hessen prüft Fluggastbrücken. Und sorgt dafür, dass Passagiere sicher vom Terminal in die Flugzeugkabine gelangen.

In manchen Fluggastbrücken sind 120 zugelassen, in anderen 210. Doch auch in den größten dürfen es nicht viel mehr als diese Zahl an Personen sein. Denn eine Brücke ist so berechnet und geprüft das aufgrund der Personenanzahl pro Quadratmeter ein Überladen nicht vorkommen kann. In ihnen hat wahrscheinlich fast jeder schon einmal Schlange gestanden, etwa wenn er auf dem Weg in den Urlaub oder zum Geschäftstermin war. Dann entsteht dieser kleine Stau am Einstieg in die Flugzeugkabine, weil eben jeder Passagier nur einzeln einsteigen und von der Flugbegleitung begrüßt werden kann.

Damit Millionen von Fluggästen den Weg durch diesen Tunnel, der das Terminal und die Kabine des Flugzeugs verbindet, auch trockenen Fußes und sicher hinter sich bringen können, müssen sie in regelmäßigen Abständen kritischen Blicken unterzogen werden. Einer, der qua Beruf mit wachen Augen diese Aufgabe übernimmt und sorgfältig prüft, ist Reinhard Zorn von TÜV Hessen. Der gelernte Elektroingenieur geht den Job mit der Routine eines Angestellten an, der seit Jahrzehnten auf diesem Gebiet eingesetzt wird. Er weiß daher auch, wo versteckte Gefahren lauern können.

 

Wer rastet, der rostet

So etwa bei Anlagenteilen im low demand mode, die also wenig genutzt werden. „Denken Sie an einen Notendschalter“, sagt der TÜV Hessen-Sachverständige. „Der wird ja in den meisten Fällen nur von uns betätigt, wenn er eben einmal im Jahr getestet wird.“ Würde dies ausbleiben, könnte der schlimme Fall eintreten, dass der Notendschalter in der Zwischenzeit durch eindringendes Wasser Rost ansetzt und nicht mehr gedrückt werden kann. Frei nach dem Motto: Wer rastet, der rostet. Daher sind nicht nur Prüfungen von Fluggastbrücken durch Sachverständige wie Reinhard Zorn vorgeschrieben, wenn eine Anlage in Betrieb genommen werden soll. Sondern auch wiederkehrend, im konkreten Fall jedes Jahr einmal.

Doch wie sehen die Verbindungsstücke von Terminal und Flugzeug überhaupt aus? In Erinnerung sind vielen Passagieren noch die tunnelartigen Gänge, in die wenig Licht drang. „Mittlerweile sind die meisten an beiden Seiten verglast“, sagt Reinhard Zorn. Was wiederum Einfluss auf das Eigengewicht der Anlagen hat. „Die überwiegende Zahl der Fluggastbrücken, die heutzutage eingesetzt werden, wiegen zwischen 20 und 30 Tonnen“, weiß der TÜV Hessen-Sachverständige. Dabei sitzen die Anlagen meist auf einer Rotunde auf, die am Rand des Terminals durch einen Pfeiler im Erdreich getragen wird. Von dort aus können sie dank ihrer Beweglichkeit flexibel in verschiedene Richtungen ausgefahren werden. Die längsten sind bis zu 50 Meter lang. „Länger geht es aus physikalischen Gründen nicht. Sonst müsste anderes Material verbaut sein“, erklärt Reinhard Zorn. Dass die Fluggastbrücken ohne Probleme nach oben und unten, links und rechts verfahren werden können, schlägt auch beim Gewicht zu Buche: Denn Hydraulik und Elektrotechnik sind in den Brücken integriert.

 

Biegt sich der Boden unter der Last?

Damit Leben und Gesundheit von ein- und aussteigenden Passagieren und Bordpersonal umfassend geschützt werden, sind umfangreiche Prüfpflichten des Herstellers vorgesehen. Konkrete Vorgaben sind zum Beispiel in der europäischen Maschinenrichtlinie 2006/42/EG aufgeführt. Sie zielt auf den einwandfreien Betrieb der Anlagen ab. Neben der Prüfung der technischen Dokumentation, der Schweißtechnik und der statischen Berechnungen, werden auch Belastungstests vorgenommen.

Dann liegen schon einmal etliche Betonplatten übereinander geschichtet auf dem Boden einer Fluggastbrücke, um eine Überlast zu simulieren. Oder es kommt in manchen Ländern vor, dass anstelle der Betonplatten Säcke voller Stahlkugeln ausgelegt werden oder gar Becken, die Rand hoch gefüllt sind mit Wasser. „Wir messen dann, ob es beim Material zu unzulässigen Verbiegungen kommt“, sagt Reinhard Zorn. Und es wird zudem im Anschluss danach geschaut, ob bei der Brücke im Zustand ganz ohne Gewicht bleibende Verformungen zu sehen sind. Ein Großteil der Prüfungen dreht sich außerdem um die Funktionsfähigkeit der Elektronik. Denn auch die Steuerungen, Nachholeinrichtungen, Heizungen und Beleuchtungen müssen einwandfrei ihren Dienst verrichten. Die meisten Fluggastbrücken sind zwar verglast, doch der Betrieb geht auch nach Sonnenuntergang weiter.

 


(Autor: Matthias Voigt)

Prüfung von Flughafentechnik

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