• Qualität & Zertifizierung

Wohngesundheit auf dem Prüfstand

Sie sind geruchlos und dennoch vorhanden: Schadstoffe in Innenräumen. Die Qualität der Raumluft ist in hohem Maß von den eingesetzten Bauprodukten abhängig.

(Quelle: istock / vovashevchuk)

Die Luftqualität spielt eine wesentliche Rolle für das Wohlbefinden des Menschen. Am Industriearbeitsplatz gibt es deshalb klare Vorgaben zur Gesundheitsvorsorge. Die Gefahrstoffverordnung definiert Grenzwerte für Schadstoffe, Gase oder Dämpfe. Aber bereits in Büros gelten andere Regeln. Sie zählen zu den Innenräumen und verfügen über eigene Richtlinien. In Gebäuden und Wohnungen wird die Luftzusammensetzung von Produkten mit organischen Bestandteilen beeinflusst. Zur Freisetzung der flüchtigen Verbindungen tragen alle im Innenraum eingebrachten Materialen bei. Dazu zählen beispielsweise Bodenbeläge, Deckenverkleidungen und die dazugehörigen Unterkonstruktionen. Auch Farben, Tapeten oder Wanddekorationen können Materialien enthalten, die Schadstoffe freisetzen.

Wegen der riesigen Auswahl am Markt ist das Spektrum der betroffenen Materialien gigantisch. „Weil diese Produkte in Innenräumen eine große Fläche einnehmen, ist die Auswirkung auf die Raumluft signifikant“, erklärt Dr.-Ing. Rico Emmler, Geschäftsführer der Entwicklungs- und Prüflabor Holztechnologie GmbH (EPH) aus Dresden. „Die Emissionen können insbesondere bei Allergikern zu gesundheitlichen Problemen führen, etwa zu Reizungen der Atemwege.“

 

Gesundheit schützen

Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass Atemwegserkrankungen auch eine Folge von schlechter Qualität der Innenraumluft sein können. Architekten und Heimwerker entscheiden sich deshalb beim Bau oder der Renovierung zunehmend für Produkte, deren Eigenschaften gründlich getestet wurden. „Gefragt sind Materialien, die schadstoff- und emissionsgeprüft und für unbedenklich befunden sind“, sagt Dr.-Ing. Jens-Christian Winkler von der TFI Aachen GmbH. Das Unternehmen prüft und zertifiziert Bau- und Einrichtungsprodukte. Mit dem Prüfzeichen wird dokumentiert, dass von den Bauprodukten bei fach- und sachgerechter Anwendung keine Gefahren für die Gesundheit ausgehen. Jedoch gleicht die Fülle an europäischen Umweltzeichen einem Dickicht, das für Verbraucher schwer zu durchschauen ist. Denn gesetzlich vorgeschriebene Grenzwerte gibt es nur in Frankreich, Belgien und Deutschland. Lange konnten Verbraucher am „Ü“-Zeichen eines Baustoffs erkennen, dass es emissionskontrolliert ist und überwacht wird. Aber 2016 wurde dieser Nachweis für viele Bauprodukte zur Verwendung in Innenräumen abgeschafft. Europaweit reicht zwar das CE-Symbol aus, um ein Bauprodukt in den Verkehr zu bringen – allerdings ist es kein Zeugnis für gute Qualität der Raumluft.

 

Zertifizierte Bauprodukte

Eine Nachfolgeregelung entwickelt sich nur langsam, speziell die Frage nach den zulässigen Emissionen ist bisher nicht geregelt. Um hier mehr Sicherheit zu bieten, haben EPH und TFI gemeinsam mit TÜV Hessen das Zertifikat TÜV PROFiCERT-product Interior entwickelt. „Nach dem Wegfall der Pflicht von bauaufsichtlichen Zulassungen in Deutschland wollten viele Hersteller freiwillig die Überwachung weiterführen“, sagt Dr. Rico Emmler. „Die international agierenden Hersteller wünschten sich ein breiteres Anwendungsfeld und ein europaweit bekanntes Label.“

Das Testat gilt für alle Produkte, die Zugang zum Innenraum haben, selbst wenn sie nicht sichtbar sind, etwa Dämmmaterial oder Schallschutz. Für alle Produkte mit dem gleichen Zweck gelten die gleichen Grenzwerte. „Wir haben für den europäischen Markt die gängigsten Grenzwerte zusammengefasst und von den verschiedenen Nachweisen den strengsten Wert genommen“, erklärt Dr. Jens-Christian Winkler. „Deshalb deckt unser Zertifikat die Anforderungen so gut wie alle anderen Siegel mit ab.“

Die Prüfungen erfolgen in den zugelassenen und akkreditierten Prüflaboratorien von EPH und TFI. TÜV Hessen nimmt nach einer zusätzlichen Kontrolle die Zertifizierung der jeweiligen Produkte vor. Die Proben werden dabei von den Unternehmen direkt im Lager der Hersteller zufällig ausgewählt – und stammen von Produkten, die für den Handel bestimmt sind. So wird verhindert, dass Bauprodukte speziell zu Testzwecken hergestellt werden. Während der Untersuchungen wird jedes Produkt, jede Produktgruppe und jedes System auf Basis von Worst-Case-Betrachtungen auf Einhaltung der festgelegten Kriterien kontrolliert.

 

Umfassende Tests

Bei den Tests der Waren im Lager bleibt es nicht. Zusätzlich werden die Herstellung und die werkseigene Produktionskontrolle in Audits vor Ort überprüft. Dabei werden die Prozesse und Verfahren zur Qualitätssicherung in den betroffenen Unternehmen begutachtet. Außerdem werden mindestens einmal jährlich die zertifizierten Produkte beim Hersteller oder im Markt entnommen und bezüglich der Einhaltung der Prüfkriterien überwacht, zum Beispiel per Screeningverfahren. Auf diese Weise wird die konstant hohe Qualität der Baumaterialien sichergestellt.

Nur wenn alle Voraussetzungen während der Prüfungen erfüllt wurden, kommt es zur Zertifizierung. Dabei sind je nach Produktgruppe für die Erzeugnisse unterschiedliche Anforderungen festgelegt. So wird sichergestellt,  dass keine Produkte  eine Auszeichnung erhalten, die  gesundheitsgefährdend sind. Die Kriterien ermöglichen gleichzeitig eine vergleichbare Basis für transparente und verlässliche Aussagen zu den Materialien. Der Verbraucher gewinnt damit Sicherheit – und Hersteller können gegenüber ihren Kunden ihre Sorgfalt nachweisen.

Qualitätsmanagement

Bei unseren TÜV PROFiCERT-Verfahren mit Schwerpunkt Qualitätsmanagement überprüfen wir das Qualitätsmanagementsystem von Unternehmen aller Branchen und Größen.

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