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Nutzfahrzeuge: Gute Noten für Brummis

Der Trend ist positiv. Denn seit Jahren sinkt die Zahl der Nutzfahrzeuge, die wegen erheblicher technischer Mängel durch die Hauptuntersuchung fallen.

(Quelle: iStock / LeManna)

Lastkraftwagen sind das Rückgrat der Logistik. Im Güterverkehr in Deutschland sind die Schwergewichte das am stärksten genutzte Verkehrsmittel. Die Transporter im Straßenverkehr bewältigten im Jahr 2018 rund 316 Milliarden Tonnenkilometer, das entspricht einem Anteil an der insgesamt erbrachten Transportleistung im Güterverkehr von etwa 72 Prozent. Die Quote steigt seit mehreren Jahren konstant an, alleine 2019 erhöhte sich die Zahl der Lkw laut Kraftfahrt-Bundesamt auf den Straßen auf 3,15 Millionen Fahrzeuge. Diese Zahl wird in Zukunft weiter steigen. Umso wichtiger ist die Verkehrssicherheit der Brummis.

Ab einem Gewicht von 3,5 Tonnen müssen Nutzfahrzeuge deshalb alle 12 Monate zur Hauptuntersuchung. Bei Fahrzeugen, die älter als drei Jahre sind, erfolgt zusätzlich zum Halbjahr eine Sicherheitsprüfung. Die Ergebnisse der vergangenen Jahre hat der Verband der TÜV e.V. (VdTÜV) im September 2019 veröffentlicht. Der aktuelle TÜV Report Nutzfahrzeuge stellt den Brummis ein ordentliches Zeugnis aus.

 

Euphorie ist fehl am Platz

Die in Deutschland zugelassenen Lastkraftwagen sind in den vergangenen beiden Jahren sicherer geworden. Doch es besteht kein Grund zur Euphorie. Noch immer fällt nahezu jedes fünfte Fahrzeug durch die Hauptuntersuchung. Insgesamt 19 Prozent der Lastkraftwagen waren mit erheblichen Mängeln behaftet. 2017 lag die Quote bei Nutzfahrzeugen noch bei rund 22 Prozent, 2015 betrug ihr Anteil 25 Prozent. „Die technische Sicherheit von Lastkraftwagen hat sich in den vergangenen Jahren verbessert, trotz steigender Beförderungsleistung“, bestätigt Uwe Herrmann, Leiter der Technischen Prüfstelle von TÜV Hessen.

Dennoch sind nach wie vor zu viele Lastkraftwagen mit erheblichen technischen Mängeln auf den Straßen unterwegs. Damit steigt die Unfallgefahr im Straßenverkehr. „Defekte an der Beleuchtung sowie an den Achsaufhängungen der Fahrzeuge sind die häufigsten Mängel. Außerdem treffen wir häufig auf Korrosionen und Probleme mit Bremstrommeln oder Bremsscheiben“, erklärt Uwe Herrmann. Diese erheblichen technischen Defizite können zu Unfällen mit schweren Schäden führen.

Im Verhältnis zu den 1,85 Millionen begutachteten Nutzfahrzeugen ist der Anteil verkehrsunsicherer Lkws allerdings gering. Denn nur etwa 1.300 Fahrzeuge wurden von den Prüfern sofort aus dem Verkehr gezogen, weil sie eine direkte oder unmittelbare Gefahr bedeuteten. In diesen Fällen waren beispielsweise tragende Teile weitgehend durchgerostet.

 

Langsame Entwicklung

Eine vorausschauende Pflege der Fahrzeuge und die hohe Prüfdichte haben einen wesentlichen Anteil am grundsätzlich positiven Trend. Denn die meisten Fuhrparks entwickeln sich zu modernen Logistik-Unternehmen mit klaren Kostenstrukturen. Das hat Auswirkungen auf die Fahrzeuge, denn sie müssen optimal und effizient eingesetzt werden. Hier spielen Wartungsverträge eine wichtige Rolle, denn sie sorgen für die vorausschauende und regelmäßige Instandhaltung der Lkw – was gleichzeitig die Kosten des Fuhrpark-Betreibers reduziert.

Die Professionalisierung verläuft allerdings sehr schleppend. Gerade die dank E-Commerce stark beanspruchten Transporter haben häufig zahlreiche Mängel – trotz gültiger oder erst kürzlich bestandener HU. Leichte Nutzfahrzeuge werden häufig überladen und selten ausreichend gepflegt. Die starke Belastung und die hohe Kilometerleistung hat Folgen. Kleintransporter sind oft überdurchschnittlich stark verrostet. Im Vergleich mit den schweren Fahrzeugklassen haben die Vans daher eine negative Auswirkung auf die Mängelstatistiken.

 

Neue Herausforderungen warten

Die zunehmende Verbreitung von Fahrassistenzsystemen wird in den kommenden Jahren für weiteren Handlungsbedarf sorgen. Neue elektronische Helfer ergänzen die bereits zur Standardausstattung gehörenden Notbrems- oder Spurhalteassistenten. Ab 2022 sind Abbiegeassistenten in neuen Lkw-Typen Pflicht, um Radfahrer und Fußgänger besser zu schützen. Doch die entsprechenden Prüfstandards für die neuen Systeme müssen noch entwickelt werden. Noch existieren keine einheitlichen Prüfmethoden, um automatisierte Fahrfunktionen zu testen oder zu genehmigen. „Wie digitale Fahrzeugsysteme überprüft werden können, sollte auch bereits im Genehmigungsprozess mit betrachtet werden“, fordert Uwe Herrmann. „Nur dann können sie sich erfolgreich und nachhaltig als Teil der regelmäßigen TÜV-Prüfung etablieren.“

Für den „TÜV-Report Nutzfahrzeuge“ wurden rund 1,85 Millionen Hauptuntersuchungen der Jahre 2018 und 2019 ausgewertet. Die Ergebnisse sind nach vier Gewichtsklassen unterteilt: von leichten Transportern mit weniger als 3,5 Tonnen über leichte Lastkraftwagen mit 3,5 bis 7,5 Tonnen und mittelschwere Brummis mit 7,5 bis 18 Tonnen bis zu den Schwergewichten ab 18 Tonnen. Der TÜV-Report Nutzfahrzeuge erscheint alle zwei Jahre.

Hauptuntersuchung

Hier finden Sie Informationen zur Hauptuntersuchung bei TÜV Hessen: Preise und Gebühren, Terminerinnerung und Terminvereinbarung, Antworten auf häufige Fragen zur "TÜV-Prüfung" Ihres Fahrzeugs.

Personenbeförderung & Logistik

Leisten Sie mehr für die Sicherheit bei der Personenbeförderung und Logistik als gesetzlich vorgeschrieben? Dann lassen Sie sich dies von TÜV Hessen zertifizieren. 

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Danke für Ihren Kommentar TÜV Hessen 06. March 2020 10:36

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Die Verkehrssicherheit liegt uns sehr am Herzen, deshalb setzen wir uns weiter für sichere Nutzfahrzeuge ein. Ihr Deutsch ist übrigens sehr gut. Es ist um ein vielfaches besser als unser ungarisch ;-) Viele Grüße, Ihr TÜV Hessen Online-Team

Dies ist ein sehr wichtiger Artikel! PaduRent 27. January 2020 0:07

Dies ist ein sehr wichtiger Artikel! Auch Personenkraftwagen sind wichtig, aber Lastkraftwagen und Lieferwagen müssen viel mehr beachtet werden. Die Last ist höher und es ist für immer in Bewegung. Sie können dem Verkehr mehr Schaden zufügen als ein PKW. Vorausschauende Kontrolle ist gut. Die Zahlen sind immer noch hoch. Schritt halten mit den wachsenden Flotten. Das waren gute Nachrichten. Wir beschäftigen uns mit Kranvermittlung (http://www.pannon-daru.hu/) und lesen Artikel zu Unfällen und Sicherheitsfragen im Netz. Auch der Kranmarkt braucht derzeit viel Entwicklung, viele Gebrauchtmaschinenimporte, die überprüft werden sollten. Ich schreibe nicht so gut in Deutsch, ich hoffe der Punkt ist lesbar.