Ein Konzept gegen das Virus: Die Gefahr liegt in der Luft

Aerosole sind der Hauptübertragungsweg des Coronavirus. Regelmäßiges Lüften ist deshalb ein wesentlicher Faktor, um eine Ansteckung zu vermeiden. Im Gespräch erklärt Yannick Renaud von TÜV SÜD Advimo, was richtiges Lüften ausmacht – und wie ein Konzept das Infektionsrisiko dauerhaft senkt.

Yannick Renaud, TÜV SÜD Advimo (Quelle: TÜV SÜD)

Herr Renaud, wann haben Sie realisiert, dass COVID-19 keine gewöhnliche Grippe ist, sondern eine weltweite Pandemie auslösen wird?

Yannick Renaud: Die ersten Bilder, die ich als bedrohlich wahrgenommen habe, kamen aus Italien. Damals wurde mir klar, dass dieses Virus kein lokales Problem bleibt und es ernst wird. Mit dem Shutdown im Frühjahr 2020 in Deutschland entstand schließlich eine Situation, die noch nie da war. Beim Joggen fiel mir die Stille auf, die Straßen waren nahezu menschenleer. Wenn dazu noch ein Krankenwagen vorbeifuhr, wirkte es viel bedrohlicher.

 

Die Gefahr liegt sprichwörtlich in der Luft. Wie haben Sie reagiert, als Sie erfahren haben, dass sich das Virus über Aerosole verbreitet?

Yannick Renaud: Mein wissenschaftliches Metier ist Luftströmung beziehungsweise Strömungsmechanik. Deshalb habe ich viele Fachartikel gelesen und mir überlegt, was ich beisteuern kann, um das Problem zu lösen. Viele Menschen engagieren sich im medizinischen Bereich, aber mit meinem Know-how kann ich bestimmt auch einen Beitrag leisten, gerade weil es um Aerosole geht. Im Team haben wir dann bei TÜV SÜD Advimo überlegt, wie wir mit unseren Simulationen zeigen können, wie Aerosole sich in einem Raum bewegen. Damit alle eine transparente Erklärung der Ausbreitung der Aerosolen erhalten – und Schutzmaßnahmen entstehen können.

 

Wann haben Sie damit begonnen, sich für das richtige Lüften einzusetzen?

Yannick Renaud: Im Mai 2020 hatten wir bereits damit begonnen, erste Konzepte zu entwickeln, in denen wir ausgeatmete Luft transparent machen. Im TÜV SÜD-Konzern wurde darauf reagiert und wir konnten ein Video und eine Pressemitteilung veröffentlichen, um zu zeigen, welchen Einfluss eine gezielte Luftführung auf die Verbreitung von Aerosolen in einem Raum hat.

 

Was macht denn richtiges Lüften für den Experten aus?

Yannick Renaud: Es ist wichtig, dass man regelmäßig lüftet und darauf achtet, dass wirklich der ganze Raum erfasst wird. Beim natürlichen Lüften ist es entscheidend, in kurzer Zeit möglichst viel frische Luft an jede Stelle des Raums zu bekommen. Das ist in der Theorie sehr einfach, die Bedingungen im Raum geben das aber nicht immer her.

 

Worin besteht in der Praxis die konkrete Herausforderung, für jeden Raum das richtige Lüftungskonzept zu finden?

Yannick Renaud: Es gibt unterschiedliche Nutzungsvarianten für verschiedene Räume. Ein Beispiel: Ein Restaurantbesuch dauert etwa 90 Minuten, im Großraumbüro arbeitet man dagegen rund acht Stunden. Die Herausforderung ist die Luftmenge. Man kann relativ leicht herausfinden, wie groß die Luftmenge ist, die man in einen Raum einbringt. Aber es ist relativ schwierig zu ermitteln, wie sich die Luft im Raum verteilt. Fast alle Analysen hören deshalb bereits an dieser Stelle auf. Wir fangen an diesem Punkt erst an. Denn wenn die frische Luft den Raum schnell wieder verlässt, werden bestimmte Bereiche nicht erfasst. Dort kann die Virenkonzentration steigen. Deshalb reicht ein guter Luftwechsel allein nicht aus. Wir gehen einen Schritt weiter. Mit unseren Analysen zeigen wir, an welchen Stellen im Raum ein potenzielles Risiko besteht. Restaurants können sich daran orientieren, wenn sie Tische im Gastraum aufstellen. Auch für die Planung von Arbeitsplätzen in Großraumbüros sind unsere Analysen relevant. Damit unterstützen unsere Berechnungen eine Rückkehr zur Normalität.

 

Welche Bedeutung werden Lüftungsschutzkonzepte langfristig haben, wenn die Pandemie bewältigt ist?

Yannick Renaud: Generell werden wir einen größeren Fokus auf die Raumluftqualität legen. Das ist jetzt schon ein Fazit der Pandemie. Deshalb fördert der Staat bereits Lüftungsgeräte in Schulen zu einem gewissen Grad. Das zeigt, wie stark das Verständnis für die Bedeutung der Luftqualität zugenommen hat. Sollte es in Zukunft eine weitere Pandemie geben, können gute Lüftungsschutzkonzepte in Innenräumen dazu beitragen, die Ausbreitung von Viren über Aerosole zu begrenzen.

 

Damit schützt ein Lüftungsschutzkonzept auch vor anderen Krankheitserregern, etwa Grippeviren?

Yannick Renaud: Richtig. Gerade ein Großraumbüro kann zum Superspreader werden. Dort halten sich verschiedene Personen den ganzen Tag auf. Wenn es dort keine gute Lüftung gibt, können sich viele Menschen anstecken. Ein gutes Lüftungskonzept verringert das Infektionsrisiko.

 


Zur Person: Yannick Renaud ist Linienverantwortlicher für Simulation und Energietechnik bei der TÜV SÜD Advimo GmbH. Sein Studium an der Technischen Universität Hamburg hat er als Master of Science in Verfahrenstechnik abgeschlossen.

 

 

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