Zum Jahresbeginn 2026 ist die revidierte Fassung der internationalen Umweltmanagementnorm ISO 14001 in Kraft getreten. Der Standard legt Anforderungen an das Umweltmanagementsystem fest, mit dem Unternehmen Umweltaspekte steuern und Verpflichtungen erfüllen können. Ein Umweltmanagementsystem bildet bspw. Prozesse zur Planung, Steuerung und Überprüfung sowie der dauerhaften Verbesserung von Vorgängen ab, die die Umwelt betreffen. Das Ziel besteht darin, negative Auswirkungen auf die Umwelt zu identifizieren und zu reduzieren. Unternehmen jeder Größe und jeder Branche sind davon betroffen.
Revision der ISO 14001: Anpassungen statt Überholung
Bei der Revision der ISO 14001 handelt es sich nicht um eine komplette Überarbeitung, sondern um eine Präzisierung der Inhalte und eine Anpassung der Struktur. Der Green Deal der EU oder die Sustainable Development Goals der UN und damit umfassende Änderungen wurden nicht integriert.
Es ist üblich, dass Management-System-Normen wie die ISO 14001 alle sieben bis acht Jahre überarbeitet, aktualisiert und damit an neue gesellschaftliche Anforderungen angepasst werden. Seit der letzten Änderung der ISO 14001 sind mittlerweile sogar zehn Jahre vergangen. Haupttreiber der Revision waren tatsächlich formale Gründe: Der Aufbau vieler Normen wurde in einer Harmonized Structure integriert, die eine einheitliche Struktur und konsistente Begrifflichkeiten sicherstellen soll. Im Oktober wird auch die ISO 9001, die führende Norm für Managementsysteme und Qualitätsmanagement, nach HS revidiert. Hinzu kommt: Normen werden stets in Englisch vorgehalten und bei der Übersetzung gibt es immer wieder Interpretationsschwierigkeiten. Hier wird von Revision zu Revision präzisiert. Unterm Strich bedeutet das: Die Revision der ISO 14001 beinhaltet nur wenige inhaltliche Neuerungen, viele Änderungen betreffen lediglich Formulierungen.
Inhaltliche Neuerungen im Bereich von Klimawandel, Diversität und Ressourcen
Die inhaltliche Änderung, die sich am stärksten auswirkt, ist die Aufnahme des Amendment 1 „Climate Action Changes“. Damit wird der Klimawandel fester Bestandteil der Norm. Unternehmen müssen nun bewerten, ob er für sie einen relevanten Faktor darstellt und ob sie daher die Anforderungen der sogenannten interessierten Parteien berücksichtigen sollten. Diese Ergänzung zum Thema Klimawandel wurde von den meisten zertifizierten Unternehmen aber bereits aufgenommen, denn das Amendment ist bekannt und offiziell gültig. Hier entstehen also keine zusätzlichen Aufwände, sondern vielmehr Chancen durch die inhaltliche Präzisierung und durch neue Beispiele.
Neben dem Klimawandel kommen biologische Vielfalt und Ressourcenverfügbarkeit als weitere zu betrachtende Umweltzustände hinzu. Außerdem werden die Umweltauswirkungen von Produkten oder Dienstleistungen über deren gesamten Lebenszyklus hinweg in den Fokus gerückt. Zudem wurden sogenannte Notfallsituationen integriert – eine Grundforderung der ISO 9001. Unternehmen müssen auf solche Ereignisse vorbereitet sein. Nicht zuletzt ist die Norm in bestimmten Bereichen verbindlicher geworden, indem „Soll“-Anforderungen zu „Muss“-Anforderungen geändert wurden.
Implementierung in der Übergangsphase
Für Organisationen, die bereits nach der vorherigen Version der ISO 14001 zertifiziert sind, wird der Übergang zur neuen Version nach dem aktuellen Kenntnisstand keinen großen Aufwand erfordern. Es wird einen Übergangszeitraum von drei Jahren geben, in dem Auditoren mit den Organisationen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass sie die neuen Anforderungen integrieren.
Die Entwicklung
Die ISO 14001 leitet Ziele aus Umweltaspekten ab, die ISO 9001 für das Qualitätsmanagement aus Kundenanforderungen. Mit der Erfüllung der ISO 14001 zeigen Unternehmen nach außen, dass sie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen; die ISO 9001 zeigt, dass Qualitätsstandards gegenüber dem Kunden eingehalten werden. Beide werden an einer Harmonized Structure (HS) ausgerichtet und betonen Themen wie Risiken oder Chancen stärker. Die Wirksamkeit des Managementsystems – UMS und QMS – wird bei beiden wichtiger, ebenso müssen Ziele für interne Audits festgelegt werden. Während der Einfluss auf das Umfeld bereits Teil der ISO 14001 ist, ist er für die ISO 9001 neu: Sie wird interessierte Personen oder den Umgang mit Ressourcen vermehrt berücksichtigen. Damit wird der Umgang mit der Umwelt jetzt ebenfalls zu einem Qualitätsmerkmal.
Insgesamt zeichnet sich ab, dass der Fokus auf Nachhaltigkeit und Umweltleistung für Organisationen weiter an Bedeutung gewinnen wird. Während die aktuelle Überarbeitung der ISO 14001 einen kleinen Schritt in diese Richtung darstellt, wird in Zukunft eine weitere Stärkung der Umweltanforderungen erwartet, getrieben durch sich wandelnde gesellschaftliche Erwartungen und Regulierung: Beim Energiemanagement ist es zum Beispiel bereits heute so, dass sich in jedem Zertifizierungszyklus eine Verbesserung ergeben muss. Das ist bei der ISO 14001 hier noch nicht der Fall, aber die Richtung ist klar, auch hinsichtlich EU-Vorgaben zur Reduktion des CO2-Ausstoßes und Nachhaltigkeit.
Fazit
Die Revision der ISO 14001 für Umweltmanagementsysteme ist keine inhaltliche Neuausrichtung, sondern in erster Linie eine Präzisierung der bestehenden Formulierungen. Inhaltliche Änderungen betreffen die Integration neuer gesellschaftlicher Anforderungen hinsichtlich Klimawandel, biologischer Vielfalt und Ressourcenverfügbarkeit. Unternehmen haben nun drei Jahre Zeit, die Änderungen zu integrieren – ihre Managementsysteme müssen dafür aber nicht von Grund auf neu strukturiert werden.


