Es ist später Nachmittag, dichter Verkehr. Im Feierabendverkehr schaltet die Ampel von Grün auf Gelb. Müde von einem langen Arbeitstag will man nur noch nach Hause und gibt Gas, um noch über die Ampel zu kommen. Doch es war schon zu spät und ein Blitzer wurde ausgelöst. Wenige Wochen später liegt der Bescheid im Briefkasten: Wegen einer groben Ordnungswidrigkeit gibt es neben einer Geldstrafe noch zwei Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg. 

Fahreignungsseminare reduzieren Punkte

Das Fahreignungsregister in Flensburg arbeitet mit einem 8‑Punkte‑System, bei dem je nach Schwere eines Verstoßes Punkte vergeben werden. Ein Punkt gibt es für schwere Ordnungswidrigkeiten, zwei Punkte für sehr schwere Verstöße und drei Punkte für Verkehrsstraftaten mit Führerscheinentzug. Erreicht eine Person acht Punkte, wird die Fahrerlaubnis dauerhaft entzogen und kann erst nach einer Sperrfrist und einer positiven Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) wieder neu erworben werden.

Fahreignungsseminare unterstützen Autofahrende dabei, die Punkte in Flensburg abzubauen. Darüber hinaus lernen die Teilnehmenden, Risiken besser einzuschätzen und langfristig sicherer unterwegs zu sein. Die Teilnahme ist freiwillig. Bis zu einem Stand von fünf Punkten kann mit der Teilnahme ein Punkt abgebaut werden, sofern innerhalb der vergangenen fünf Jahre kein Fahreignungsseminar besucht wurde. Bei höheren Punktzahlen steht weniger der Abbau im Vordergrund, sondern eine Stabilisierung des Fahrverhaltens.

Verkehrspädagogik: Situationen, Muster, Gewohnheiten

Im ersten Abschnitt – dem verkehrspädagogischen Teil – beurteilen die Teilnehmenden gemeinsam reale Verkehrssituationen. Dabei geht es um Fragen wie: Welche Regeln gelten an bestimmten Stellen? Wo entstehen gefährliche Situationen? Und welche eigenen Gewohnheiten führen immer wieder zu Problemen? 

Zwei Unterrichtseinheiten bilden den Rahmen für diese Analysen. Dazwischen liegt eine Phase der Selbstbeobachtung, um eigene Muster klarer zu erkennen. Der Austausch in der Gruppe, Gespräche und praktische Beispiele helfen dabei, ein ehrliches Bild des eigenen Verhaltens zu bekommen. Diese Einheit wird von einer Fahrschule übernommen. 

Verkehrspsychologie: Persönliche Auslöser und innere Muster

Im nächsten Schritt folgt der verkehrspsychologische Abschnitt. Hier liegt der Fokus auf streng vertraulichen Einzelgesprächen. Im Gespräch mit erfahrenden Psychologen geht es um persönliche Auslöser, Denkweisen und Motive: Welche Auslöser führen zu bestimmten Reaktionen? Welche Denkstrategien prägen das eigene Verhalten? Und welche Motive könnten hinter Verkehrsverstößen stecken?

Zwischen den beiden Terminen liegen etwa drei Wochen. So bleibt Zeit, neue Strategien auszuprobieren und bewusst in den Alltag mitzunehmen. Ziel ist es, Risiken zu verringern und ein langfristig sichereres Fahren zu fördern. Diese Aufgabe übernehmen anerkannte Verkehrspsychologen, beispielsweise aus Begutachtungsstellen für Fahreignung

Einsicht statt Belehrung

Der gemeinsame Hintergrund der beiden Seminarteile ist einfach: Wer sein Handeln versteht, kann sein Verhalten ändern. Fahreignungsseminare haben nicht das Ziel, jemanden zu belehren oder zu bestrafen. Es soll den Teilnehmenden dabei helfen, das eigene Handeln im Straßenverkehr besser zu verstehen. Denn Verkehrssicherheit ist auch ein Ergebnis aus Erfahrung, Selbstreflexion und der individuellen Lernbereitschaft.