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Frauen und Autos: Keine Plakette für Vorurteile

Fiona Debus ist amtlich anerkannte Sachverständige (mit Teilbefugnis) (aaSmT) bei TÜV Hessen im TÜV Service Center Frankfurt-Fechenheim. Im Interview spricht sie über ihre Leidenschaft für Autos und warum die Arbeit bei TÜV Hessen so gut zu ihr passt.

Fiona Debus ist amtlich anerkannte Sachverständige (mit Teilbefugnis) (aaSmT) bei TÜV Hessen

Frau Debus, wie oft mussten Sie schon den Spruch „Frauen und Autos“ ertragen?

Fiona Debus: Irgendwann hört man auf zu zählen. Klar, höre ich diesen Spruch immer mal wieder. Ich denke das wird sich auch nie ändern. Meistens kommt er allerdings von Kollegen, die Einparkmanöver auf dem Hof der Prüfanlage begutachten, Fahrlehrern, die über ihre Fahrschüler witzeln oder Mitarbeiter in Werkstätten, die ramponierte Fahrzeuge zur HU vorstellen. In den jeweiligen Situationen ist er durchaus amüsant und immer mit einem Augenzwinkern verknüpft. Mir gegenüber ist dieser Spruch aber nie mit einer bösen Absicht ausgesprochen worden.

 

Wollten Sie schon immer was mit Autos machen?

Fiona Debus:„Schon immer“ ist nicht ganz der Ausdruck, den ich nutzen würde. Tatsächlich habe ich als Kind schon viel mit Spielzeugautos und auch Spielzeugtieren gespielt. Barbies waren nur im Zimmer für Freundinnen, die zu Besuch kamen. Sobald mein Vater an einem unserer Autos Zündkerzen oder Räder wechselte war ich sofort zur Stelle, um zuzusehen und später zu helfen. Die Idee, in die Automobilbranche zu gehen, kam allerdings erst einige Jahre später. Meine Traumberufe in der Kindheit waren Polizistin und (wie bei fast jedem Mädchen) Tierärztin.

 

Wie kam es zu Ihrem Einstieg bei TÜV Hessen?

Fiona Debus: Ich hatte in der Schulzeit mein erstes Betriebspraktikum in einer kleinen örtlichen Fiat-Werkstatt absolviert. Für das zweite sollte es auf jeden Fall in eine ähnliche Richtung gehen, mir fehlten aber leider die Ideen. Zufällig musste meine Großmutter in dieser Zeit mit ihrem Auto „zum TÜV“ und gab mir danach den entscheidenden Tipp. Ich habe mich dann direkt bei TÜV Hessen beworben und bekam einen Praktikumsplatz auf der Prüfanlage in Frankfurt-Fechenheim. Mein Kollege Heiko Heddrich, der dort damals als TSC-Leiter tätig war, machte mich auf die Möglichkeit eines dualen Studiums aufmerksam. Dies war natürlich ein perfekter Einstieg bei TÜV Hessen.

 

Was macht Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten Spaß?

Fiona Debus: Mir war es schon immer sehr wichtig abseits vom tristen Büroalltag arbeiten zu können. Als aaSmT erwartet mich eine bunte Mischung aus vielen spannenden Themenbereichen. Einerseits begeistert mich die Arbeit mit Menschen, speziell in der Fahrerlaubnis. Seit letztem Jahr habe ich mich hierbei auf die Begutachtungsfahrten spezialisiert.

Andererseits bin ich im Bereich der Fahrzeugprüfung begeistert über jede Aufgabe, welche über eine normale Hauptuntersuchung hinausgeht.  Insbesondere Vollabnahmen von ausländischen Pkw sowie Einzelabnahmen von umgebauten Tuningfahrzeugen lassen hierbei mein Prüferinnenherz höher schlagen. Um den Kunden den bestmöglichen Service bieten zu können, bin ich mittlerweile DMSB-Sachverständige und stehe in regelmäßigem Kontakt mit dem Projektleiter von TÜV SÜD Tuning. Ein weiterer Faktor, der mich jeden Tag mit einem Lächeln zur Arbeit bringt, ist die Unterstützung des tollen Teams in Frankfurt-Fechenheim.

 

Wie verlief Ihre Karriere bis jetzt?

Fiona Debus: Ich kann mich nicht beklagen. Schon während des Studiums konnte ich immer wieder einen Einblick in die späteren Tätigkeiten als aaSmT werfen. Ich wurde während der Semesterferien regelmäßig am TSC Frankfurt- Fechenheim eingeplant, habe dort praxisorientierte Berichte geschrieben, von den Kollegen Vorort immens viel gelernt, andere Kollegen auf ihren Werkstatttouren begleitet und auch einige praktische Fahrerlaubnisprüfungen begleiten dürfen. Schon sehr früh stand für mich fest, dass ich amtlich anerkannte Sachverständige (mit Teilbefugnissen) werden wollte, da mich die Thematik der Voll- und Einzelabnahmen ebenso interessierte, wie die Fahrerlaubnisprüfungen.Seit den bestandenen Prüfungen (2014 PI, 2015 aaSmT) habe ich mich in einigen Teilbereichen weiterbilden können und konnte dadurch einige zusätzliche Qualifikationen erlangen, die mir sehr viel Freude bereiten.

Ich hoffe und denke, dass da noch einige weitere, spannende Weiterbildungsmöglichkeiten auf mich zukommen werden.

 

Welchen Rat geben Sie Frauen, die neu bei TÜV Hessen einsteigen?

Fiona Debus: Sucht euch einen erfahrenen Kollegen oder eine erfahrene Kollegin, die euch mit Rat und Tat zur Seite steht, und ihr könnt nichts falsch machen. Ein gefülltes Adressbuch mit Kontaktdaten von hilfsbereiten Kollegen ist unglaublich viel Wert, wenn man mal an einen Punkt kommt, an dem man nicht mehr weiter weiß - egal ob fachlich oder menschlich. Diesen Rat würde ich allerdings auch jedem Mann geben, der neu beim TÜV Hessen einsteigt. 

 

Was war bis heute Ihre größte Herausforderung „als Frau unter Männern“?

Fiona Debus: Die größte Herausforderung für mich war zu lernen, nicht alles persönlich zu nehmen und mir Ewigkeiten zuhause darüber den Kopf zu zerbrechen, wie, wo und wann ich mich nun falsch verhalten haben könnte. Eben ein dickes Fell wachsen zu lassen. Direkte Anfeindungen kommen wirklich absolut selten vor, aber es gibt schon immer mal Situationen, in denen man genau merkt, was der Gegenüber gerade von einem denkt und da muss das nötige Feingefühl erlernen, um ohne Schaden oder bestenfalls mit Gewinn aus dieser hervorzugehen. 
Und egal was kommt: Aufstehen, Plakettenschaber zücken und weiter geht’s.

 

Warum ist der International Women’s Day relevant?

Fiona Debus: Geschichtlich gesehen nimmt der Weltfrauentag eine sehr große Rolle in der Entwicklung von Frauen in der Gesellschaft ein. Ich finde es sehr bedauerlich, dass wir über 100 Jahre nach dem Beginn der Emanzipation und der Kämpfe um das Wahlrecht und die Gleichberechtigung von Frauen immer noch darüber sprechen müssen und dass Frauen immer noch in manchen Unternehmen schlechter entlohnt werden als Männer in derselben Position oder Frauen in Führungspositionen skeptisch beäugt werden.Ich habe mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht, ob ich als Frau „in meine Rolle passe“, geschweige denn darüber, ob ich irgendwelche gesellschaftlichen Normen und Standards erfülle.

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